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Meeresfische

Meeresfische
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Title: Meeresfische
Release Date: 2018-09-24
Type book: Text
Copyright Status: Public domain in the USA.
Date added: 27 March 2019
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Meeresfische

Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart


Die Gesellschaft Kosmos will die Kenntnis der Naturwissenschaftenund damit die Freude an der Natur und das Verständnisihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseresVolkes verbreiten. — Dieses Ziel glaubt die Gesellschaft durchVerbreitung guter naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichenmittels des

Kosmos, Handweiser für Naturfreunde
Jährlich 12 Hefte. Preis M 2.80;

ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter,im guten Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichenInhalts. Es erscheinen im Vereinsjahr 1914 (Änderungenvorbehalten):

Wilh. Bölsche, Tierwanderungen in der Urwelt.
Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.

Dr. Kurt Floericke, Meeresfische.
Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.

Dr. Alexander Lipschütz, Warum wir sterben.
Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.

Dr. Fritz Kahn, Die Milchstraße.
Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.

Dr. Oskar Nagel, Romantik der Chemie.
Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.

Diese Veröffentlichungen sind durch alle Buchhandlungenzu beziehen; daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitragnur M 4.80) zum Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde(auch nachträglich noch für die Jahre 1904/13 unter den gleichengünstigen Bedingungen), entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte,Verzeichnis der erschienenen Werke usw. siehe am Schlussedieses Werkes.)

Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart.

Meeresfische

Von
Dr. Kurt Floericke
Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen
und Zeichnungen von Oberlehrer
W. Koehler, Fr. Ward, R. Oeffinger u. a.
und einem Umschlagbild von Willy Planck

title

Stuttgart
Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde
Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung
1914

Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht, vorbehalten.

Copyright 1914 by
Franckh'sche Verlagshandlung
Stuttgart

STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI
HOLZINGER & Co., STUTTGART


[5]

signet

Furchtbar zugleich und fruchtbar ist das Meer. Mit heiligerScheu erfüllt uns der endlose Ozean, wenn er, aufgewühlt undaufgepeitscht von heulenden Sturmwinden, tobend und brausendhohe, weißgekrönte Wogenkämme wie eine finstere, verderbenbringendeTodesmauer zum Lande wälzt, Leichen auf seinemRücken trägt und alles Lebende mit wuchtigem Wellenschlag zu vernichtendroht; mit andächtiger Bewunderung aber, wenn er sichwieder besänftigt hat, wenn an der nur leicht gekräuselten, sanftund ruhig atmenden Oberfläche im glitzernden Sonnenschein Scharensilberner Fischlein in übermütigem Spiel sich tummeln und daskristallklare Wasser an felsiger Küste ungeahnte Einblicke tunläßt in die Tiefe mit ihrem so eigenartigen, geheimnisvollen,mannigfaltigen Weben und Leben; mit warmer Liebe endlich, wennwir gedenken, wie unendlich viel von jeher der reiche Ozean beigetragenhat, die menschlichen Bewohner des Erdballs zu ernähren,die entlegensten Völker mit einander zu verbinden, ihnen einenleichten und bequemen Austausch ihrer Erzeugnisse zu ermöglichen,ihre Phantasie zu befruchten und ihre künstlerische Schaffenskraftanzuregen. Neptun gebietet über das weiteste und ausgedehntesteReich auf unserem Planeten, und die Zahl und Mannigfaltigkeitder seinem strengen Szepter unterstehenden Tierwelt, ihregrotesken Formen, ihre erstaunliche Fruchtbarkeit und ihre weitgehendenbiologischen Anpassungen an die Eigenart der verschiedenenMeeresteile finden auf dem Festlande kaum ihresgleichen.Voll ungeahnter Wunder ist des Meeres dunkler Schoß, aber nurlangsam und zögernd enthüllen sie sich dem rastlos forschenden Menschengeiste.Kaum vermag unser Auge die verwirrende Fülle derErscheinungen noch zu überschauen. Führen doch allein an 10000Fischarten in all den Erdenmeeren ein unseren Blicken mehr oderminder verborgenes Dasein. Gerade dieser Umstand erscheint inhohem Maße geeignet, unsere Kenntnis von den Lebensgewohnheiten[6]der Seefische zu erschweren; so sehr sie auch während derletzten Jahrzehnte durch die überraschenden Fortschritte der Meeresforschunggefördert worden ist, so wenig ist doch ausführlichereKunde davon in die große Masse der heutigen Kulturmenschheitgedrungen, wenn auch anderseits die Fischerbevölkerung der Küstenländerschon im eigensten Lebensinteresse geradezu gezwungen war,praktische Fischkunde zu lernen. Aber wie viele sonst hoch gebildeteBewohner des Binnenlandes gibt es doch, die selbst dieallergewöhnlichsten Seefische lediglich von genossenen Tafelfreudenoder aus den Bottichen der Marktweiber her kennen, von ihrermerkwürdigen Lebensführung dagegen kaum mehr wissen alsvon der hochinteressanten Art und Weise ihrer Erbeutung. Unddoch ist diese von tief einschneidender Bedeutung nicht nur für dasgesamte Wirtschaftsleben unserer Küstenprovinzen, sondern auchfür die Fleischversorgung unseres gesamten Vaterlandes, da beiden ständig steigenden Schlachtviehpreisen einerseits und den erheblichverbesserten Transportmitteln anderseits (selbst aus Westafrikabringt man neuerdings in Kühlkammern oder auf Schneelagernin 23tägiger Fahrt Plattfische und Seehechte in vollkommengebrauchsfrischem Zustande nach Paris) der Verbrauchvon Seefischfleisch auch im Binnenlande eine fortwährend zunehmendeWichtigkeit erhält.

Die deutsche Hochseefischerei, die jetzt zumeist mit eigensdazu ausgerüsteten, besonders seetüchtigen Fischdampfern betriebenwird, ist denn auch in erfreulicher Aufwärtsentwicklung begriffen,obgleich es noch lange dauern wird, bis sie den ungeheuren Vorsprung,den namentlich die Engländer auf diesem Gebiete besitzen,einigermaßen wettgemacht haben wird. Sie beschäftigt über30000 wettergestählte Männer, die in ihrem gefahrvollen undanstrengenden Berufe für den Ausbau eines Gewerbszweiges kämpfen,dessen ungeheure volkswirtschaftliche Bedeutung für Deutschlandlange genug verkannt worden ist und auch jetzt noch nichtganz die ihm gebührende Wertschätzung findet. Der Wert der ansLand gebrachten Fische belief sich im Jahre 1908 auf rund 29 MillionenMark, aber trotzdem konnten von unseren 11 Fischereigesellschaftennur 4 eine Dividende zahlen (die Emdener Heringsfischerei7%), ein Zeichen, daß die gesamte Organisation nochsehr in den Kinderschuhen steckt. Der Staat tut alles, um sie zu[7]heben und bewilligte allein 400000 M an Bauprämien fürFischereifahrzeuge, während anderseits die Wissenschaft mit denwertvollen Ergebnissen ihrer Forschungen der Fischerei zu Hilfekommt, überhaupt gerade auf diesem Gebiet ein inniger und sehrvorteilhafter Wechselverkehr zwischen Wissenschaft und Praxis besteht,der beiden in hohem Maße zum Vorteil gereicht. Wie weitbei guten Vorkehrungen die Erträge der Seefischerei gesteigertwerden können, ersieht man aus der englischen Statistik. An dendortigen Küsten wurden beispielsweise im Jahre 1906 20½ MillionenZentner Fische erbeutet und daraus 11,326 Millionen Pfd. St.erzielt. Die neuesten Errungenschaften der Technik kommen dortwie auch in Norwegen beim Fischfang zur Verwendung. Selbst dasTelephon. Der hierbei benutzte Apparat besteht aus einem zurAufnahme des Schalles dienenden Mikrophon, das in einer wasserdichtenStahlkapsel eingeschlossen und durch Leitungsdrähte ständigmit einem telephonischen Empfänger an Bord des Fangschiffes verbundenist. Durch diese Vorrichtung werden die Fischer frühzeitigvon dem Herannahen und der Richtung der großen Fischzügein Kenntnis gesetzt, können auch gleich auf deren Art schließen,indem z. B. Heringe durch pfeifende, Dorsche durch grunzende Geräuschesich verraten. Hervorgerufen werden diese wahrscheinlichdurch die unablässige Bewegung von Millionen von Flossen undKiemen im Wasser. Leider ist unsere Seefischerei trotz aller Anstrengungennoch nicht imstande, den Eigenbedarf unseres Volkesan Fischfleisch zu decken. Noch müssen wir für nahezu 120 Millionenjährlich vom Ausland beziehen, während unsere Ausfuhr noch nicht12 Millionen beträgt. Unter den eingeführten Fischen stehen obenangesalzene Heringe mit 36,5, Bücklinge mit 2,3, Kaviar mit 9,5,Lachse mit 7,25, Sardellen mit 1,75 und frische Karpfen mit 1,8 MillionenMark. Dabei nimmt in unserer Zeit der Fleischteuerungdie Nachfrage nach Seefisch noch fortwährend zu, namentlich seitdas frühere Vorurteil der Binnenländer gegen diese Kost zu schwindenbeginnt, wenn auch leider nur sehr langsam und allmählich.Viel dazu beigetragen hat die Abhaltung von Seefisch-Kochkursenund die planvolle Organisierung des Fischverkaufs in den städtischenMarkthallen. So wurden allein in Berlin vom Oktober1911 bis Februar 1912 rund 230000 kg frische Seefische durch diestädtischen Verkaufsstellen abgesetzt. Im Vergleiche zu der Statistik[8]des Pariser Fischmarktes erscheint diese Zahl freilich noch rechtgeringfügig. Dort kommen während der kühlen Jahreszeit Tagfür Tag 110–115000 kg Meeresbewohner in die städtischen Markthallen,wobei allerdings Krebse und Muscheln mitgerechnet sind,ja an den Fastentagen steigert sich diese ungeheure Menge auf200000 kg. Bei uns macht nach den Berechnungen von Königund Splittgerber das Fischfleisch nur ⅛–110 des überhaupt genossenenFleisches aus. Auf den Kopf der Bevölkerung kommenjährlich etwa 6,8 kg Fisch, wovon 6 kg auf Seefisch entfallen und40–50% für den Abfall in Abzug zu bringen sind, sodaß nur3,5–4 kg reines Fischfleisch übrig bleiben. Im allgemeinen istdessen Nährwert und Verdaulichkeit dem des Fleisches der nutzbarenHaustiere gleichzusetzen, aber wenigstens das Seefischfleischhat den großen Vorzug, wesentlich billiger zu sein, selbst wenn mandabei in Anschlag bringt, daß es an sich schon wasserreich ist undwegen der kurzen Kochdauer nur einen unwesentlichen Wasserverlusterleidet, daher zur Sättigung in größerer Menge genossenwerden muß. Bei Räucherfischen kommt dieser Übelstand ohnediesin Wegfall, während bei eingemachten Fischen ein großer Teilder wertvollen Nährstoffe in die Laken und Saucen entweicht.Die Verdaulichkeit wird durch das Kochen in geringerem Maßebeeinträchtigt als beim Rindfleisch. So vermag das Fischfleisch selbstkörperlich stark angestrengten Menschen ein vollwertiger Ersatzfür anderes Fleisch zu sein, und in Rußland erhält beispielsweisedas Militär zweimal wöchentlich Fisch, während man bei uns indieser Beziehung noch nicht weit über tastende Versuche hinausgekommenist. Auch vorzügliche Eiweißpräparate stellt man neuerdingsaus Fischfleisch her.

So erscheint das Meer als der denkbar ergiebigste Acker, dessenplanmäßige Bebauung und zielbewußte Bewirtschaftung sich durchreiche Erträge lohnt, aber leicht ist die Hebung seiner Schätze nicht,und vom Meeresgrunde bis zur Feinschmeckertafel in einem BerlinerLuxushotel ist ein gar weiter Weg. Fabelhaft fast erscheinendie Fruchtbarkeit und der Reichtum der See, aber unerschöpflich sindsie nicht, und rücksichtsloser Raubbau muß sich schließlich auch hierbitter rächen wie überall. Namentlich in der Nordsee, wo heutealljährlich 600 Dampfer und 5000 Segler auf Fischfang ausziehen,machen sich schon bedenkliche Anzeichen von Überfischerei[9]bemerkbar, weil dem Meere zu viel unbrauchbare Jungfische entzogenoder diese, wenn man sie auch wieder ins Wasser wirft, dochnicht schonend genug behandelt werden. So sind große Seezungenund Schollen schon recht spärlich geworden, ja es steht zu befürchten,daß von den bevorzugten Speisefischen überhaupt nur noch wenigedas laichfähige Alter erreichen und für die Fortpflanzung ihrerArt sorgen können. Eckert schätzt den Gesamtertrag der Weltfischereiauf 4 Millionen Tonnen im Werte von 1 Milliarde Mark;das erscheint verhältnismäßig wenig, dabei ist aber zu berücksichtigen,daß ausgedehnte und zweifellos sehr ergiebige Fischereigründein den afrikanischen, südamerikanischen und australischenGewässern der Fischereiwirtschaft überhaupt noch nicht erschlossensind. Nahezu 70% der ganzen Ausbeute entfallen auf den Atlantik,wobei die Nordsee mit ⅕–¼ beteiligt ist, keine 30% auf denStillen Ozean und kaum 1% auf den Indischen. Was die einzelnenStaaten anbelangt, so kommen auf die von Nordamerika 23%,auf England 22%, auf Kanada und Norwegen je 13%, aufRußland 6%, auf Frankreich 4%, auf Holland 3%, auf Spanienund Portugal 2½%, auf Italien 1½%. Während das kleineJapan mit 10½% recht stattlich dasteht, spielt Deutschland mitnur 2½% in dieser Liste noch immer eine ziemlich klägliche Rolle,obgleich sich der Ertrag unserer Hochseefischerei durch die dankenswertenBemühungen einer einsichtigen Regierung innerhalb15 Jahren um das Zehnfache gesteigert hat. Auch Österreich-Ungarnerweist sich trotz der herrlichen, fischreichen Adria mit ihrem prächtigenKlima und ihren zahlreichen ruhigen Buchten in bezug aufdie Entwicklung der Küsten- oder gar der Hochseefischerei noch alsrecht rückständig, wie ja fast auf allen Gebieten. Das Fett schöpfendort die benachbarten Italiener ab, und die Küstenbevölkerungvon Triest und Fiume ab bis nach Spalato und Cattaro hinunterbegrüßt alljährlich mit Freuden die buntbemalten Segel der anfahrendenChioggioten-Flottille, weil sie gesunde und wohlfeileNahrung auf den Markt bringt. Tausende von ärmeren Familienin Istrien und Dalmatien leben dann nur von Fischen und Polentaund sehen äußerst selten anderes Fleisch in ihren Töpfen. Der aufBackhuhn und Gulasch eingeschworene Wiener dagegen, der selbstdie köstliche Forelle barbarischerweise in gebackenem Zustande genießt,hat dem Seefischfleisch noch immer keinen Geschmack abzugewinnen[10]vermocht, und daran sind alle Bemühungen zur Schaffungeines großzügig eingerichteten Seefischversands im Reiche des Doppeladlersmehr oder minder gescheitert.

Glücklicherweise zählt unsere fast überall mit Grundnetzenerreichbare Nordsee nächst den nordamerikanischen Gestaden desAtlantik zu den fruchtbarsten Meeren der Erde, über ihren zahlreichenBänken und Untiefen wimmelt es fast buchstäblich vonFischen, nur daß sich diesen Segen in früheren Zeiten fast ausschließlichdie Engländer zunutze zu machen verstanden, während mehr als2 Meilen von der Küste überhaupt kaum ein deutscher Fischkutteranzutreffen war. ”Das deutsche Meer“, so heißt es in einemenglischen Gutachten, ”ist ertragsfähiger als unser Ackerland; unserereichsten Felder sind weniger fruchtbar an Nahrungsstoffen, alsdiese Fischereigründe. Ein Morgen guten Landes liefert etwa20 Zentner Getreide jährlich oder 3 Zentner Fleisch und Käse;auf einer ebenso großen Wasserfläche mit Fischereigrund aberkann man dasselbe Gewicht an Nahrungsmitteln jede Woche ernten.Fünf Fischereiboote zogen in einer einzigen Nacht aus einer kaum50 Morgen großen Fläche des deutschen Meeres den Wert von50 Ochsen und 300 Schafen in Form von leicht verdaulichen undschmackhaften Fischen. Und was das Wichtigste ist, diese Ochsenund Schafe sind kostenlos und ohne alle Mühe im Wasser entstanden,erzogen und gemästet worden.“ Mag dieses Urteil auchein übertriebenes und allzu optimistisches sein, Tatsache ist jedenfalls,daß man bei uns lange Jahrhunderte hindurch den Meeressegennicht zu würdigen verstand und sich erst in neuester Zeitallmählich seiner ungeheuren

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