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Was mir das Sternenlicht erzählt: Eine populäre Himmelskunde für die Jugend

Was mir das Sternenlicht erzählt: Eine populäre Himmelskunde für die Jugend
Author: Erber Felix
Title: Was mir das Sternenlicht erzählt: Eine populäre Himmelskunde für die Jugend
Release Date: 2018-12-20
Type book: Text
Copyright Status: Public domain in the USA.
Date added: 27 March 2019
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Cover

Was mir das Sternenlicht erzählt!

Eine populäre
Himmelskunde
für die Jugend

von

Felix Erber

Mit 14 Abbildungen

Signet

Langensalza 1914 ·· Hermann Beyer & Söhne
(Beyer & Mann) Herzogl. Sächs. Hofbuchhändler


Alle Rechte, insbesondere das Recht der Übersetzungin eine andere Sprache, vorbehalten.

Nachdruck wird gerichtlich verfolgt.

Copyright by

Hermann Beyer & Söhne (Beyer & Mann)
Herzogl. sächs. Hofbuchhändler in Langensalza.


Tafel 1.
Das photographische Doppelfernrohr des astrochemischen und -physikalischenLaboratoriums der Technischen Hochschule zu Charlottenburg.

Seiner Hochwürden,
Herrn Gymnasialoberlehrer, Geistlichen Rat,

Professor Maliske,

seinem hochverehrten Religionslehrer,
in Dankbarkeit zugeeignet
vom

Verfasser.


[V]

Meine Leser!

»Wer Gott in allem sieht, der fühltden seligen Herzschlag des Unendlichen,den niemand beschreiben kann!«

Einmal in jedem Jahre, – wenn der Spätsommer wiederins Land will und auf den Gehängen der Glatzer Berge dieGetreidefelder reifen, suche ich meine Jugendheimat auf! –

Am letzten Nachmittage meines Dortseins gehe ich stets ineinen großen Garten, der hinter den alten Festungsmauern derStadt Glatz auf einer kleinen Anhöhe gelegen ist.

Von dieser aus genießt man einen prachtvollen Fernblickauf die südwestlichen Berge des Ländchens.

Sinnend bleibe ich lange stehen und blicke hinüber zu ihnen,denn am Fuße jener Berge liegt die Stätte meiner Geburt,ruhen all' die Träume einer seligen Kinderzeit.

Habe ich mich satt genug gesehen am Blau meiner heimatlichenBerge, habe ich lange genug geträumt vom Glücke undvom inneren Frieden längst verklungener Tage und Jahre, danntrete ich in den großen Garten ein, der die Anhöhe ziert.

Mit zahllosen Hügeln ist er übersät, von denen viele kahlsind, viele aber das Grün des Waldes und die sommerlicheBlütenpracht der Flur tragen! Diese Hügel, die sich hier enganeinanderreihen, sind – die Bergspitzen einer anderen Welt!

Nur zwei von ihnen gilt mein Aufenthalt an dieserStätte, nur zwei von ihnen habe ich in mein fühlendes Herzgeschlossen! –

[VI]

Unter dem einen Hügel schläft mein toter Vater den ewigenSchlaf, und wenn ich an diesem Hügel stehe, dann zieht eineunsichtbare Hand leise den Schleier fort, der die Tage der Kindheit,die Träume der Jugend verhüllt. Ihm, der unter demgrünen Rasen ruht, danke ich es, daß er die Begeisterung fürdie Schönheiten in der Natur in mir, dem Kinde, zu fördernund zu immer größerer Glut zu entfachen verstand. Nichtvieles, sondern viel ließ er mich, – den regen Geist, – darüberlesen, und er zeigte mir manches, was ich in kindlichem Unverstandedraußen in der Welt nicht zu begreifen vermochte.

Meine Gedanken eilen zu ihm hinüber ins Jenseits, dasuns Lebende von den Toten trennt, und meine Seele flüstertihm zu, daß seine Mühe und seine Lehren nicht vergeblich waren.

Und nun trete ich zu dem anderen, mit Blumen und sattemGrün geschmückten Hügel. Auch er deckt einen mir lieben Toten,– meinen alten naturwissenschaftlichen Lehrer auf dem Gymnasiumzu Glatz.

Er war es, der zu uns Schülern einmal sagte, daß jenegeheimnisvolle Macht, die in das Getriebe der Welt und auchin das Räderwerk unseres Daseins weisheitsvoll hineingreiftund die wir »göttliche Vorsehung« nennen, jeden im Leben anden rechten Platz stellt, – ob früh oder spät. Er war es, derdurch die Art seines Lehrvortrages und durch das »Wie er unsin die Geheimnisse der Natur« einführte, jene unbegrenzte Liebezu ihr auch in mir entfachte, die mich bis zur Stunde nichtverlassen hat und mich auch bis an mein Lebensende niemalsverlassen wird.

An diesem Grabe steigt immer, wie ein hoher Schein, vormeiner Seele eine Stunde auf, die im physikalischen Kabinettdes Glatzer Gymnasiums einst verfloß. Dort sagte mir meinLehrer: »Die vornehmste Aufgabe des Naturforschers, – vielleichtwirst auch Du einmal ein solcher, – ist die, der Menschheit[VII]das zu geben, was Du in der Natur als richtig erkannthast! Wer die Schönheiten der Natur dem Volke so mitteilt,wie er sie in seiner Seele empfindet, der steht auf einer ebensohohen Kanzel als der Priester!« –

Diese Worte meines Lehrers sind in jener Stunde mit unvergänglichenLettern in meine Seele geschrieben worden, und ichwerde nicht müde werden, – da mich die Vorsehung an denrechten Platz gestellt hat, – den Lesern meiner Schriften, vorallem aber der Jugend das mit Freude und Begeisterung mitzuteilen,was ich in meiner Seele draußen im unergründlichenAll und in seiner erhabenen Schönheit empfinde.

Als darum der Verlag an mich die Aufforderung richtete,ein Büchlein über den »Sternenhimmel für die Jugend«, –die begeisterungsfähige, – zu schreiben, da habe ich mit Freudenzugesagt – und auf jeder Seite des Buches mich bemüht, nurdas Schöne und das Unendliche, das die »Welt der Gestirne«umgibt, in den Vordergrund treten zu lassen!

Ich wäre glücklich, würden alle Leser mit dem Inhaltdieses Büchleins zufrieden sein, würden sie durch dasselbe dieAnregungen erhalten, die ich ihnen so gern geben möchte!

Das »Licht der Sterne«, das vom Himmel herab in dieNacht der menschlichen Sorgen und Kümmernisse fällt, es erzähltuns so viel, – unendlich viel mehr, als ich hier sagen durfte.Es erzählt uns von der Ewigkeit, die das Gewand der Gottheitist, und von den unermeßlichen Räumen, in denen dieSterne schweben, – die heiligen Leuchten im Hause des gütigenSchöpfers!

»Brüder, über'm Sternenzelt
muß ein ein guter Vater wohnen!« –

Nichts in der Natur vermag den Menschen, der Gott nichtsehen kann und will, von dessen Dasein so zu überzeugen, alsder mit Sternen besäte Himmel. An diesen Lichtern, die auf[VIII]dem Pfade zur Ewigkeit stehen, schleicht der menschliche Geistmit seinen Zweifeln entlang, bis er an die Stelle kommt, wosein Zweifeln und sein Grübeln zerrinnt, wo er sich sagen muß:»Entweder ist alles, was mir das Licht der Sterne offenbart,Unsinn, oder es muß ein höheres Wesen, – ein Gott, – dasein, der alle die Wunder und Rätsel schuf, die dem Himmelsforscherauf jeden Schritt in jenen Tiefen und Räumen begegnen!« –

Die Sterne am Himmel, sie sind die großen Zeiger, die unsden Weg zu Gott, – dem Schöpfer des Firmamentes, weisen!

Alt-Batzdorf (in der Grafschaft Glatz),
den 25. Februar 1914.

Felix Erber.


[1]

Dekoration
Erstes Kapitel.
Wie mögen die Sternenwelten entstanden sein?

»Es ist nicht die ganze Welt, o Mensch,die Du siehst, und was Du fühlst und erkennst,ist nur die Oberfläche der Dinge!« –

(Psalmen des Westens.)

Zu den weihevollsten Stunden meines Lebens gehört eine,die mich einst vor jenes wundervolle Gemälde Rafaels führte,auf welchem der Meister den Schöpfer darstellt, wie er die flammendenSonnen formt und sie hinaus in den Raum wirft! –

Lange habe ich vor diesem herrlichen Bilde gestanden undmich in den Gedankengang des genialen Malers vertieft, derdie Seele des Bewunderers bis an den Uranfang der Zeitenzurückführt, und sie einen Blick hinein werfen läßt – in dieWerkstatt Gottes!

Welche erhabene und großartige Tat einer uns ganz unfaßbarenAllmacht ist in diesem Gemälde Rafaels doch zumAusdruck gebracht, – die Erschaffung der Welt, der sichtbarennämlich, mit allem, was in ihr ist, – der Welt, in der auchwir leben und weben. Wer von uns das Salzbergwerk zuWieliczka bei Krakau besuchte, der wird staunend durch die langenGänge und Stollen gewandert sein, deren mit Salz bedeckteWände im Strahle der Grubenlampe in allen Farben erglühen.Kristall hat sich hier zu Kristall gesellt, um in Jahrtausendelanger Arbeit diese grotesken und gigantischen Gebilde zu schaffen,die das Herz des Besuchers dieser Stätte mit Freude und Entzückenerfüllen!

[2]

Aus der Ostsee ragen hoch die Kreidefelsen Rügens empor,und seit Jahrtausenden schon tönt zu ihnen herauf das »Liedder Welle«, das dem Kundigen in der Natur so manches Geheimnisdes Meeres offenbart. Dieses Lied erzählt uns, daßdie Kreidefelsen der Insel Rügen sich nach und nach aus mikroskopischkleinen Skeletten von winzigen Stabtierchen (Diatomeen)aufbauten. Wir schütteln den Kopf über eine solche Riesenarbeitund vermögen kaum zu fassen, wie das geschehen konnte.

Welche Zeit war zum Aufbau dieser Kreidefelsen dochnötig, und wie viele Milliarden Skelette waren dazu erforderlich!

Wir stehen vor einem Bienenstock und betrachten die kleinenTierchen bei ihrer mühsamen Arbeit. Unermüdlich fügen sie,– kunstgeübt, – Zelle an Zelle und fertigen so die Waben an,in die sie den süßen Honig legen.

Wir essen ihn und wie wenige mögen dabei an die Kunstfertigkeitund die Arbeit denken, die die Bereitung der köstlichenSpeise den kleinen Bienen macht und die sie hierbei leistenmüssen!

Eine große Bücherei birgt tausende von Büchern!

Welche Fülle von Wissen, von Zeit, Arbeitskraft undMühe steckt in allen diesen Werken, die oft zu dem Bedeutendstengehören, was menschlicher Geist hervorzubringen vermochte.

Wie wenige erinnern sich daran, sondern staunen nur dieUnmenge der Bände an, die hier aneinandergereiht in denFächern und Regalen stehen. –

Wir bewundern die Kunstwerke unserer Maler und Bildhauer,die in ihnen die Schönheit der Natur nachzuahmen versuchten;aber noch weit großartiger als alles, was Kristall,Pflanze, Tier und Mensch zu schaffen vermochten und noch vermögenwerden, ist das, was Gott einst getan hat, als er dieWeltenkörper ins Dasein rief! –

Kristall, Pflanze, Tier und Mensch sind in ihrem Tun und[3]Handeln erfüllt von jenem großen: »Es werde!«, das der Schöpfereinst in den weiten Weltenraum hinausrief!

An jenes Einst, – also an den Uranfang der Zeiten, –wollen wir uns einmal in Gedanken zurückversetzen! –

Über Gott und die Absichten nachzugrübeln, die er hatte,als er die sichtbare Welt erschuf, wäre ein eitles Unterfangen,wäre Vermessenheit und Torheit!

Töricht wäre es auch, wollten wir behaupten, wir wüßtengenau, wie Gott die sichtbare Welt erschaffen hat. Dieses »Wie«wird ewig den Schleier des Geheimnisses tragen! –

Wohl aber dürfen wir Vermutungen darüber äußern! Wirdürfen sagen: »Gott kann die für uns sichtbare Welt in dieseroder in jener Weise geschaffen haben!« Ob das aber so ist, daswissen wir nicht! Das, was wir mit unseren wissenschaftlichenHilfsmitteln vom Firmamente ablesen, und das, was uns dasLeuchten der Sterne am Himmel verrät, lassen diesen oder jenenSchluß zu! –

Unsere Vorfahren, – die alten Sterndeuter in Babylon,die sternkundigen Priester der Ägypter, die Weisen Griechenlandsund Roms, die Philosophen des Mittelalters, – haben sich umdas: »Wie die Welt entstanden ist« nicht allzuviel gekümmert.

Sie lebten zu einer Zeit und in einer wissenschaftlichen Vorstellung,die eine solche Frage nicht unbedingt nötig machte.Erst die Neuzeit hat angefangen, über die großen Rätsel, dieuns überall in der Welt der Gestirne begegnen, mehr, als esbisher der Fall war, nachzudenken, und so lag es in der Naturder Sache, vom modernen, wissenschaftlichen Standpunkte aus,auch einmal den Versuch zu machen, eine Antwort auf jeneFrage: »Wie mag die Welt entstanden sein?« zu geben!

Sehen wir also einmal zu, wie die Wissenschaft der Gegenwart,– und zwar die Astronomie, – die diese Frage und ihreBeantwortung ja am allermeisten interessiert, darüber denkt! –

[4]

Ein Teil der Himmelsforscher (der Astronomen) nimmt an,daß im Uranfange der Zeiten der für die sichtbare Welt bestimmteRaum mit einem großen Gasball (dem Urnebel) angefülltwar. Dieser besaß Kugelform und drehte sich um eineAchse. Der sich drehende Riesengasball war die Erstlings- oderdie Ursonne!

Infolge der schnellen Drehung dieser Ursonne, drängte sichder größte Teil der Materie (des Weltenstoffes), aus dem siebestand nach ihrem Äquator hin, und bildete hier rings um sieherum einen dicken Wulst. Dieser platzte an einer Stelle, löstesich von der sich weiter drehenden Ursonne ab und wurde inStreifenform – wie ein schmales Band, – hinaus in denWeltenraum geschleudert.

Hier rollte sich dieses »Band aus Urstoff« zu einer Kugelzusammen. Diese stellte nun die zweite Sonne im Raume dar.Sie hatte sich aus der Ursonne gebildet. Sowohl von der Ursonne,als auch von der zweiten so entstandenen Sonne bildetensich dann in gleicher Weise, wie es eben geschildert wurde, weitereSonnen – alle, die wir heute am Firmamente erblicken.

Aus den Sonnen wurden dann später in derselben Weisedie Planeten und aus diesen wiederum die Monde.

So hat sich auch unsere Sonne aus der Ursonne einst gebildet,aus ihr einst die Erde und aus dieser endlich auchunser Mond!

Die kugelförmige Ursonne war im Anfange dunkel. Alssie sich aber um ihre Achse zu drehen begann, erhitzten sich dieeinzelnen Teilchen des Weltenstoffes durch die entstehende Reibungbis zur Weißglut. –

Auch bei den übrigen Sonnen trat dieser Zustand desLeuchtens und Glühens ein.

Die Planeten, die sich um die Sonnenkörper bewegen, unddie Monde, die wiederum die Planeten umkreisen, stellten anfangs[5]selbst kleine Sonnen dar und erstrahlten infolgedessengleichfalls erst in der Weißglut.

Von der sich drehenden Ursonne haben alle Sonnen, diesich einst aus ihr formten, auch ihre Bewegung erhalten.

Den Planeten wurde ihre kreisende Bewegung von denSonnen, zu denen sie gehören, verliehen, und die Monde erhieltenihre Achsendrehung von den Planeten, die sie umwandern.

Daher kommt es auch, daß die Planeten unseres Sonnenreichesin der Richtung um das Tagesgestirn kreisen, in der sichdieses selbst um seine Achse dreht. Das müßte

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