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Also sprach Zarathustra_ Ein Buch für Alle und Keinen

Also sprach Zarathustra_ Ein Buch für Alle und Keinen
Title: Also sprach Zarathustra_ Ein Buch für Alle und Keinen
Release Date: 2005-01-01
Type book: Text
Copyright Status: Public domain in the USA.
Date added: 24 March 2019
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Project Gutenberg's Also Sprach Zarathustra, by Friedrich Wilhelm Nietzsche

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Title: Also Sprach Zarathustra

Author: Friedrich Wilhelm Nietzsche

Posting Date: August 5, 2011 [EBook #7205]Release Date: January, 2005[This file was first posted on March 26, 2003][Last updated: December 21, 2014]

Language: German

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ALSO SPRACH ZARATHUSTRA ***

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Friedrich Nietzsche

Also sprach Zarathustra

Ein Buch für Alle und Keinen

Inhaltsverzeichnis

  Erster Theil
      Zarathustra's Vorrede
    Die Reden Zarathustra's
      Von den drei Verwandlungen
      Von den Lehrstühlen der Tugend
      Von den Hinterweltlern
      Von den Verächtern des Leibes
      Von den Freuden- und Leidenschaften
      Vom bleichen Verbrecher
      Vom Lesen und Schreiben
      Vom Baum am Berge
      Von den Predigern des Todes
      Vom Krieg und Kriegsvolke
      Vom neuen Götzen
      Von den Fliegen des Marktes
      Von der Keuschheit
      Vom Freunde
      Von tausend und Einem Ziele
      Von der Nächstenliebe
      Vom Wege des Schaffenden
      Von alten und jungen Weiblein
      Vom Biss der Natter
      Von Kind und Ehe
      Vom freien Tode
      Von der schenkenden Tugend
  Zweiter Theil
      Das Kind mit dem Spiegel
      Auf den glückseligen Inseln
      Von den Mitleidigen
      Von den Priestern
      Von den Tugendhaften
      Vom Gesindel
      Von den Taranteln
      Von den berühmten Weisen
      Das Nachtlied
      Das Tanzlied
      Das Grablied
      Von der Selbst-Überwindung
      Von den Erhabenen
      Vom Lande der Bildung
      Von der unbefleckten Erkenntniss
      Von den Gelehrten
      Von den Dichtern
      Von grossen Ereignissen
      Der Wahrsager
      Von der Erlösing
      Von der Menschen-Klugheit
      Die stillste Stunde
  Dritter Theil
      Der Wanderer
      Vom Gesicht und Räthsel
      Von der Seligkeit wider Willen
      Vor Sonnen-Aufgang
      Von der verkleinernden Tugend
      Auf dem Ölberge
      Vom Vorübergehen
      Von den Abtrünnigen
      Die Heimkehr
      Von den drei Bösen
      Vom Geist der Schwere
      Von alten und neuen Tafeln
      Der Genesende
      Von der grossen Sehnsucht
      Das andere Tanzlied
      Die sieben Siegel (Oder: das Ja- und Amen-Lied)
  Vierter und letzter Theil
     Das Honig-Opfer
     Der Nothschrei
     Gespräch mit den Königen
     Der Blutegel
     Der Zauberer
     Ausser Dienst
     Der hässlichste Mensch
     Der freiwillige Bettler
     Der Schatten
     Mittags
     Die Begrüssung
     Das Abendmahl
     Vom höheren Menschen
     Das Lied der Schwermuth
     Von der Wissenschaft
     Unter Töchtern der Wüste
     Die Erweckung
     Das Eselsfest
     Das Nachtwandler-Lied
     Das Zeichen

Erster Theil

Zarathustra's Vorrede.

1.

Als Zarathustra dreissig Jahr alt war, verliess er seine Heimat undden See seiner Heimat und ging in das Gebirge. Hier genoss er seinesGeistes und seiner Einsamkeit und wurde dessen zehn Jahr nicht müde.Endlich aber verwandelte sich sein Herz, - und eines Morgens stander mit der Morgenröthe auf, trat vor die Sonne hin und sprach zu ihralso:

"Du grosses Gestirn! Was wäre dein Glück, wenn du nicht Die hättest,welchen du leuchtest!

Zehn Jahre kamst du hier herauf zu meiner Höhle: du würdest deinesLichtes und dieses Weges satt geworden sein, ohne mich, meinen Adlerund meine Schlange.

Aber wir warteten deiner an jedem Morgen, nahmen dir deinen Überflussab und segneten dich dafür.

Siehe! Ich bin meiner Weisheit überdrüssig, wie die Biene, diedes Honigs zu viel gesammelt hat, ich bedarf der Hände, die sichausstrecken.

Ich möchte verschenken und austheilen, bis die Weisen unter den
Menschen wieder einmal ihrer Thorheit und die Armen einmal ihres
Reichthums froh geworden sind.

Dazu muss ich in die Tiefe steigen: wie du des Abends thust, wenndu hinter das Meer gehst und noch der Unterwelt Licht bringst, duüberreiches Gestirn!

Ich muss, gleich dir, untergehen, wie die Menschen es nennen, zudenen ich hinab will.

So segne mich denn, du ruhiges Auge, das ohne Neid auch einallzugrosses Glück sehen kann!

Segne den Becher, welcher überfliessen will, dass das Wasser golden ausihm fliesse und überallhin den Abglanz deiner Wonne trage!

Siehe! Dieser Becher will wieder leer werden, und Zarathustra willwieder Mensch werden."

- Also begann Zarathustra's Untergang.

2.

Zarathustra stieg allein das Gebirge abwärts und Niemand begegneteihm. Als er aber in die Wälder kam, stand auf einmal ein Greis vorihm, der seine heilige Hütte verlassen hatte, um Wurzeln im Walde zusuchen. Und also sprach der Greis zu Zarathustra:

Nicht fremd ist mir dieser Wanderer: vor manchem Jahre gieng er hiervorbei. Zarathustra hiess er; aber er hat sich verwandelt. Damalstrugst du deine Asche zu Berge: willst du heute dein Feuer in dieThäler tragen? Fürchtest du nicht des Brandstifters Strafen?

Ja, ich erkenne Zarathustra. Rein ist sein Auge, und an seinem Mundebirgt sich kein Ekel. Geht er nicht daher wie ein Tänzer?

Verwandelt ist Zarathustra, zum Kind ward Zarathustra, ein Erwachterist Zarathustra: was willst du nun bei den Schlafenden?

Wie im Meere lebtest du in der Einsamkeit, und das Meer trug dich.Wehe, du willst an's Land steigen? Wehe, du willst deinen Leib wiederselber schleppen?

Zarathustra antwortete: "Ich liebe die Menschen."

Warum, sagte der Heilige, gieng ich doch in den Wald und die Einöde?
War es nicht, weil ich die Menschen allzu sehr liebte?

Jetzt liebe ich Gott: die Menschen liebe ich nicht. Der Mensch ist mireine zu unvollkommene Sache. Liebe zum Menschen würde mich umbringen.

Zarathustra antwortete: "Was sprach ich von Liebe! Ich bringe den
Menschen ein Geschenk."

Gieb ihnen Nichts, sagte der Heilige. Nimm ihnen lieber Etwas ab undtrage es mit ihnen - das wird ihnen am wohlsten thun: wenn er dir nurwohlthut!

Und willst du ihnen geben, so gieb nicht mehr, als ein Almosen, undlass sie noch darum betteln!

"Nein, antwortete Zarathustra, ich gebe kein Almosen. Dazu bin ichnicht arm genug."

Der Heilige lachte über Zarathustra und sprach also: So sieh zu, dasssie deine Schätze annehmen! Sie sind misstrauisch gegen die Einsiedlerund glauben nicht, dass wir kommen, um zu schenken.

Unse Schritte klingen ihnen zu einsam durch die Gassen. Und wie wennsie Nachts in ihren Betten einen Mann gehen hören, lange bevor dieSonne aufsteht, so fragen sie sich wohl: wohin will der Dieb?

Gehe nicht zu den Menschen und bleibe im Walde! Gehe lieber noch zuden Thieren! Warum willst du nicht sein, wie ich, - ein Bär unterBären, ein Vogel unter Vögeln?

"Und was macht der Heilige im Walde?" fragte Zarathustra.

Der Heilige antwortete: Ich mache Lieder und singe sie, und wenn ich
Lieder mache, lache, weine und brumme ich: also lobe ich Gott.

Mit Singen, Weinen, Lachen und Brummen lobe ich den Gott, der mein
Gott ist. Doch was bringst du uns zum Geschenke?

Als Zarathustra diese Worte gehört hatte, grüsste er den Heiligen undsprach: "Was hätte ich euch zu geben! Aber lasst mich schnell davon,dass ich euch Nichts nehme!" - Und so trennten sie sich von einander,der Greis und der Mann, lachend, gleichwie zwei Knaben lachen.

Als Zarathustra aber allein war, sprach er also zu seinem Herzen:"Sollte es denn möglich sein! Dieser alte Heilige hat in seinem Waldenoch Nichts davon gehört, dass Gott todt ist!" -

3.

Als Zarathustra in die Nächste Stadt kam, die an den Wäldern liegt,fand er daselbst viel Volk versammelt auf dem Markte: denn eswar verheissen worden, das man einen Seiltänzer sehen solle. UndZarathustra sprach also zum Volke:

Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwundenwerden soll. Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden?

"Alle Wesen bisher schufen etwas über sich hinaus: und ihr wollt dieEbbe dieser großen Flut sein und lieber noch zum Tiere zurückgehen, alsden Menschen zu überwinden?"

Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eineschmerzliche Scham. Und ebendas soll der Mensch für den Übermenschensein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham.

Ihr habt den Weg vom Wurme zum Menschen gemacht, und Vieles ist ineuch noch Wurm. Einst wart ihr Affen, und auch jetzt ist der Menschmehr Affe, als irgend ein Affe.

Wer aber der Weiseste von euch ist, der ist auch nur ein Zwiespaltund Zwitter von Pflanze und von Gespenst. Aber heisse ich euch zuGespenstern oder Pflanzen werden?

Seht, ich lehre euch den Übermenschen!

Der Übermensch ist der Sinn der Erde. Euer Wille sage: der Übermenschsei der Sinn der Erde!

Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt
Denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden!
Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht.

Verächter des Lebens sind es, Absterbende und selber Vergiftete, derendie Erde müde ist: so mögen sie dahinfahren!

Einst war der Frevel an Gott der grösste Frevel, aber Gott starb, unddamit auch diese Frevelhaften. An der Erde zu freveln ist jetzt dasFurchtbarste und die Eingeweide des Unerforschlichen höher zu achten,als der Sinn der Erde!

Einst blickte die Seele verächtlich auf den Leib: und damals war diese
Verachtung das Höchste: - sie wollte ihn mager, grässlich, verhungert.
So dachte sie ihm und der Erde zu entschlüpfen.

Oh diese Seele war selbst noch mager, grässlich und verhungert: und
Grausamkeit war die Wollust dieser Seele!

Aber auch ihr noch, meine Brüder, sprecht mir: was kündet euer Leibvon eurer Seele? Ist eure Seele nicht Armuth und Schmutz und einerbärmliches Behagen?

Wahrlich, ein schmutziger Strom ist der Mensch. Man muss schon einMeer sein, um einen schmutzigen Strom aufnehmen zu können, ohne unreinzu werden.

Seht, ich lehre euch den Übermenschen: der ist diess Meer, in ihm kanneure grosse Verachtung untergehn.

Was ist das Grösste, das ihr erleben könnt? Das ist die Stunde dergrossen Verachtung. Die Stunde, in der euch auch euer Glück zum Ekelwird und ebenso eure Vernunft und eure Tugend.

Die Stunde, wo ihr sagt: "Was liegt an meinem Glücke! Es ist Armuthund Schmutz, und ein erbärmliches Behagen. Aber mein Glück sollte dasDasein selber rechtfertigen!"

Die Stunde, wo ihr sagt: "Was liegt an meiner Vernunft! Begehrt sienach Wissen wie der Löwe nach seiner Nahrung? Sie ist Armuth undSchmutz und ein erbärmliches Behagen!"

Die Stunde, wo ihr sagt: "Was liegt an meiner Tugend! Noch hat siemich nicht rasen gemacht. Wie müde bin ich meines Guten und meinesBösen! Alles das ist Armuth und Schmutz und ein erbärmliches Behagen!"

Die Stunde, wo ihr sagt: "Was liegt an meiner Gerechtigkeit! Ich sehenicht, dass ich Gluth und Kohle wäre. Aber der Gerechte ist Gluth undKohle!"

Die Stunde, wo ihr sagt: "Was liegt an meinem Mitleiden! Ist nicht
Mitleid das Kreuz, an das Der genagelt wird, der die Menschen liebt?
Aber mein Mitleiden ist keine Kreuzigung."

Spracht ihr schon so? Schriet ihr schon so? Ach, dass ich euch schonso schreien gehört hatte!

Nicht eure Sünde - eure Genügsamkeit schreit gen Himmel, euer Geizselbst in eurer Sünde schreit gen Himmel!

Wo ist doch der Blitz, der euch mit seiner Zunge lecke? Wo ist der
Wahnsinn, mit dem ihr geimpft werden müsstet?

Seht, ich lehre euch den Übermenschen: der ist dieser Blitz, der istdieser Wahnsinn! -

Als Zarathustra so gesprochen hatte, schrie Einer aus dem Volke: "Wirhörten nun genug von dem Seiltänzer; nun lasst uns ihn auch sehen!"Und alles Volk lachte über Zarathustra. Der Seiltänzer aber, welcherglaubte, dass das Wort ihm gälte, machte sich an sein Werk.

4.

Zarathustra aber sahe das Volk an und wunderte sich. Dann sprach eralso:

Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch, - ein
Seil über einem Abgrunde.

Ein gefährliches Hinüber, ein gefährliches Auf-dem-Wege, eingefährliches Zurückblicken, ein gefährliches Schaudern undStehenbleiben.

Was gross ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und keinZweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er einÜbergang und ein Untergang ist.

Ich liebe Die, welche nicht zu leben wissen, es sei denn als
Untergehende, denn es sind die Hinübergehenden.

Ich liebe die grossen Verachtenden, weil sie die grossen Verehrendensind und Pfeile der Sehnsucht nach dem andern Ufer.

Ich liebe Die, welche nicht erst hinter den Sternen einen Grundsuchen, unterzugehen und Opfer zu sein: sondern die sich der Erdeopfern, dass die Erde einst der Übermenschen werde.

Ich liebe Den, welcher lebt, damit er erkenne, und welcher erkennenwill, damit einst der Übermensch lebe. Und so will er seinenUntergang.

Ich liebe Den, welcher arbeitet und erfindet, dass er dem Übermenschendas Haus baue und zu ihm Erde, Thier und Pflanze vorbereite: denn sowill er seinen Untergang.

Ich liebe Den, welcher seine Tugend liebt: denn Tugend ist Wille zum
Untergang und ein Pfeil der Sehnsucht.

Ich liebe Den, welcher nicht einen Tropfen Geist für sichzurückbehält, sondern ganz der Geist seiner Tugend sein will: soschreitet er als Geist über die Brücke.

Ich liebe Den, welcher aus seiner Tugend seinen Hang und seinVerhängniss macht: so will er um seiner Tugend willen noch leben undnicht mehr leben.

Ich liebe Den, welcher nicht zu viele Tugenden haben will. Eine Tugendist mehr Tugend, als zwei, weil sie mehr Knoten ist, an den sich dasVerhängniss hängt.

Ich liebe Den, dessen Seele sich verschwendet, der nicht Dank habenwill und nicht zurückgiebt: denn er schenkt immer und will sich nichtbewahren.

Ich liebe Den, welcher sich schämt, wenn

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