Dürer

Dürer
Category: Artists / Germany / Biography
Title: Dürer
Release Date: 2017-10-13
Type book: Text
Copyright Status: Public domain in the USA.
Date added: 27 March 2019
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Anmerkungen zur Transkription

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Liebhaber-Ausgaben

Künstler-Monographien

In Verbindung mit Andern herausgegeben
von
H. Knackfuß


V

Dürer

Bielefeld und Leipzig
Verlag von Velhagen & Klasing
1897


Dürer

Von

H. Knackfuß


Mit 134 Abbildungen von Gemälden,Holzschnitten, Kupferstichen und Zeichnungen

Fünfte Auflage

Bielefeld und Leipzig
Verlag von Velhagen & Klasing
1897

Von diesem Werke ist für Liebhaber und Freunde besonders luxuriösausgestatteter Bücher außer der vorliegenden Ausgabe

eine numerierte Ausgabe

veranstaltet, von der nur 100 Exemplare auf Extra-Kunstdruckpapierhergestellt sind. Jedes Exemplar ist in der Presse sorgfältig numeriert(von 1–100) und in einen reichen Ganzlederband gebunden. Der Preiseines solchen Exemplars beträgt 20 M. Ein Nachdruck dieser Ausgabe, aufwelche jede Buchhandlung Bestellungen annimmt, wird nicht veranstaltet.

Die Verlagshandlung.

Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.


[S. 1]

Abb. 1. Die Kreuztragung. Skizze Dürers zu einem Fries, im British Museum zu London.

Albrecht Dürer.

A

Abb. 2. Buchstabe aus
einem Albrecht Dürer
zugeschriebenen
Holzschnitt-Alphabet.

Aus der schönen Knospe, die im XV. Jahrhundert heranwuchs,entfaltete sich jene prächtige Blüte, welche der deutschen Kunst desXVI. Jahrhunderts einen der ehrenvollsten Plätze in der gesamtenKunstgeschichte sichert. Vor den anderen Künsten fand die Malereiihre großen Meister in Deutschland. Die Kraft des größten deutschenKünstlers erwuchs auf dem Boden der gewerbfleißigen ReichsstadtNürnberg, in deren Malerwerkstätten alte Handwerksüberlieferungenmit Gewissenhaftigkeit und Emsigkeit gepflegt wurden. Albrecht Dürerward zu Nürnberg am 21. Mai 1471 geboren. Sein Vater war ein ausUngarn eingewanderter Goldschmied; derselbe war in seiner Jugendlange in den Niederlanden „bei den großen Künstlern“ gewesen, wardann im Jahre 1455 nach Nürnberg gekommen und hatte in der Werkstattdes Goldschmieds Hieronymus Holper Stellung gefunden; 1467 hatte erdessen erst fünfzehnjährige Tochter Barbara geheiratet und war imfolgenden Jahre Meister und Bürger von Nürnberg geworden. Der jungeAlbrecht, bei dessen Taufe der berühmte Drucker und Buchhändler AntonKoburger Gevatter stand, wurde für das väterliche Gewerbe bestimmt.Nachdem er die Schule besucht hatte, lernte er beim Vater dasGoldschmiedehandwerk. Aber seine Lust trug ihn mehr zu der Malerei dennzu dem Goldschmiedehandwerk; und als er dies dem Vater vorstellte, gabdieser nach, obschon es ihm leid that um die mit der Goldschmiedelehrevergeblich verbrachte Zeit. — Es sind Dürers eigene Aufzeichnungen,denen wir diese Nachrichten verdanken.

Von Albrecht Dürers früh entwickelter außergewöhnlicher Begabung sinduns zwei Proben bewahrt geblieben. Die unter dem Namen Albertinabekannte Sammlung von Kupferstichen und Handzeichnungen im Palastdes Erzherzogs Albrecht zu Wien besitzt ein mit dem Silberstiftgezeichnetes Selbstbildnis des Goldschmiedelehrlings mit der spätereigenhändig hinzugefügten Beischrift: „Das hab ich aus einem Spiegelnach mir selbst konterfeit im 1484. Jahr, da ich noch ein Kind war.Albrecht Dürer“ (Abb. 3). Das andere Blatt, welches mit Hinsichtauf die Jugend seines Urhebers eine nicht minder erstaunlicheLeistung ist als jenes, und das zugleich bekundet, daß auch in[S. 2]der Goldschmiedewerkstatt ein gediegener Zeichenunterricht erteiltwurde, befindet sich im Kupferstichkabinett des Berliner Museums;es ist eine Federzeichnung vom Jahre 1485 und stellt eine thronendeMutter Gottes zwischen zwei Engeln dar. Da sehen wir Figuren, die,wie es nicht anders zu erwarten, eine nur unvollkommene Kenntnisdes menschlichen Körpers verraten, und Gewänder, die in angelernterFormengebung die eckige Scharfbrüchigkeit des Faltenwurfs zeigen,welche der spätgotischen Kunst Oberdeutschlands eigen war und die nichtnur mit der Vorliebe der Zeit für leichte Sammetgewebe zusammenhing,sondern auch mit der tonangebenden Stellung der Holzschnitzerei in derbildenden Kunst. Zugleich aber zeigt sich in dem Aufbau der Kompositionneben einer liebenswürdigen kindlichen Schlichtheit ein feiner Sinnfür Raumausfüllung und abgewogene Verteilung der Massen, und vor allemerfreut den Beschauer eine Herzlichkeit und Innigkeit der Empfindung,die vollkommen künstlerisch ist. Und die zarten und doch schon sosicheren Striche, mit denen der Knabe gezeichnet hat, lassen diemarkige Festigkeit der Hand des Mannes vorausahnen (Abb. 4).

Abb. 3. Dürers Selbstbildnis vom Jahre 1484. Silberstiftzeichnung in der Albertina zu Wien.
Der Vermerk von Dürers Hand in der oberen rechten Ecke des Bildes lautet:
„Das hab ich aus einem Spiegel nach mir selbst konterfeit im 1484. Jahr, da ich noch ein Kind war. Albrecht Dürer.“
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)

Am 30. November 1486 kam Albrecht Dürer zu Michael Wolgemut in dieLehre; auf drei Jahre ward die Zeit bemessen, die er hier „dienen“sollte. — Aus dieser Lehrzeit Dürers stammt ein Bildnis seines Vaters,das in der Uffiziengalerie zu Florenz bewahrt wird (Abb. 5). Schon indiesem frühen Werk gibt sich der junge Künstler als ein Meister derBildnismalerei zu erkennen. Die ernsten, klugen Züge des Mannes aufdessen frommen Sinn der Rosenkranz in seinen Händen hinweist, sind mitgroßer Lebendigkeit und Feinheit aufgefaßt; man sieht, das Bild mußsprechend ähnlich gewesen sein. Den liebevollen Fleiß, den der jungeMaler auf die Ausführung dieses ersten Bildnisses verwendet hat, kannman in dem jetzigen Zustande des Gemäldes nur noch ahnen. Denn dasselbewar sehr schlecht erhalten und ist deswegen einer Überarbeitungunterworfen worden; dabei hat alles ein derberes Aussehen bekommen, alses noch vor wenigen Jahren — vor der Überarbeitung — der Fall war;namentlich erscheint das Gesicht durch die Vergröberung der Züge jetztälter, als in dem früheren Zustand. Auf diesem Bilde erscheint zumerstenmal das bekannte Monogramm Albrecht Dürers, welches er zeitlebensbeibehalten hat. Auf die Rückseite der Holztafel hat[S. 3] Dürer ein Wappengemalt. Noch stärker durch die Unbilden der Zeit geschädigt, als dieVorderseite, zeigt diese erste Probe von Dürers heraldischem Geschmackin ihrem jetzigen übermalten Zustand kaum noch einen Strich von seinerHand. Doch bleibt dieselbe sachlich interessant. Es ist ein Ehewappen.Von den beiden unter einem Helm vereinigten Schilden muß demnach derlinke — mit einem springenden Widder — derjenige der mütterlichenVorfahren Dürers sein; der rechte Schild, derjenige der Familie Dürer,zeigt als sogenanntes redendes, das heißt aus dem Namen hergeleitetesWappen eine geöffnete Thüre (Abb. 6).

Abb. 4. Marienbild. Federzeichnung von 1485 im königl. Kupferstichkabinett zu Berlin.

Als Albrecht ausgedient hatte, schickte ihn sein Vater auf dieWanderschaft. Nach Ostern 1490 zog er aus und sah sich vier Jahrelang in der Welt um. In Kolmar und in Basel ward er von den Brüderndes kürzlich verstorbenen Martin Schongauer freundlich aufgenommen.Von dort aus scheint er die Alpen durchwandert zu haben und bis nachVenedig gekommen zu sein. Unterwegs hielt er manches Landschaftsbildfest, und zwar bisweilen in sorgfältigster Ausführung mit Wasserfarben.Dürer war vielleicht der erste Maler, welcher die selbständigeBedeutung der Landschaft und die Poesie der landschaftlichen Stimmunger[S. 5]faßte. Dabei wußte er die Formen und die Farben der Natur mitunbedingter Treue wiederzugeben. Manche seiner früheren und späterenStudienblätter aus der Fremde und aus der Heimat sind Landschaftsbilderim allermodernsten und allerrealistischsten Sinne (Abb. 7).

Abb. 5. Dürers Vater. Gemälde von 1490 in der Uffiziengalerie zu Florenz.
(Nach einer Originalphotographie von Giacomo Brogi in Florenz.)


GRÖSSERES BILD

Neben vielerlei Studien und Entwürfen hat sich aus Dürers Wanderzeitauch ein sorgfältig in Öl gemaltes Selbstbildnis vom Jahre 1493erhalten (in der Sammlung Felix zu Leipzig). Goethe hat dasselbebeschrieben mit den Worten: „Unschätzbar hielt ich Albrecht DürersPorträt, von ihm selbst gemalt mit der Jahrzahl 1493, also in seinemzweiundzwanzigsten Jahre, halbe Lebensgröße, Bruststück, zwei Hände,die Ellenbogen abgestutzt, purpurrotes Mützchen mit kurzen schmalenNesteln, Hals bis unter die Schlüsselbeine bloß, am Hemde gestickterObersaum, die Falten der Ärmel mit pfirsichroten Bändern unterbunden,blaugrauer mit gelben Schnüren verbrämter Überwurf, wie sich ein feinerJüngling gar zierlich herausgeputzt hätte, in der Hand bedeutsam einblaublühendes Eryngium, im Deutschen Mannestreue genannt, ein ernstesJünglingsgesicht, keimende Barthaare um Mund und Kinn, das Ganzeherrlich gezeichnet, reich und unschuldig, harmonisch in seinen Teilen,von der höchsten Ausführung, vollkommen Dürers würdig, obgleich mitsehr dünner Farbe gemalt.“ „Mein Sach die geht, wie es oben steht“, istmit zierlichen Lettern in den Hintergrund geschrieben (Abb. 8).

Als Dürer nach Pfingsten des Jahres 1494 heimkam, hatte ihm seinVater bereits die Braut geworben. Es war Agnes Frey, die Tochtereines kunstreichen Mannes, der „in allen Dingen erfahren“ war, ausangesehenem Geschlecht. Schon am 14. Juli desselben Jahres fand dieHochzeit statt.

Abb. 6. Ehewappen von Dürers Eltern. Auf die Rückseite des in Abb. 5 wiedergegebenen Bildes gemalt.
(Nach einer Originalphotographie von Giacomo Brogi in Florenz.)

Man möchte denken, daß Dürer sich beeilt hätte, die Züge seiner jungenGattin, die als schön galt, in einem Bilde festzulegen. Erhaltenhat sich aber aus der ersten Zeit[S. 6] der Ehe nur eine ganz flüchtigeFederzeichnung (in der Albertina), die nicht als Bildnis, sondern mehrals Scherz aufgefaßt, die junge Frau in halber Figur zeigt, wie sie,mit auf den Tisch gestütztem Arm, das Kinn auf die Hand gelehnt, ebenim Begriff ist einzunicken. „Mein Agnes“ hat Dürer dabei geschrieben.Wie Frau Agnes, die hier in der Hausschürze und mit unbedecktem, nichtganz in Ordnung gehaltenem Haar erscheint, in ihren guten Kleidernaussah, mag man wohl berechtigt sein, aus drei ebenfalls in derAlbertina befindlichen Trachtenbildchen zu entnehmen, aquarelliertenFederzeichnungen, die Dürer im Jahre 1500 ausführte und mit denBeischriften versah: „Also geht man in Häusern (zu) Nürnberg“, „Alsogeht man in Nürnberg in die Kirchen“ und „Also gehen die NürnbergerFrauen zum Tanz.“ Ein wirkliches Bildnis der „Albrecht Dürerin“ hatDürer im Jahre 1504 mit dem Silberstift gezeichnet. Dasselbe befindetsich, leider sehr verwischt, in einer Privatsammlung zu Braunschweig.Da sehen wir unter der großen Haube ein nicht mit ungewöhnlichen Reizenausgestattetes, aber offenes und verständiges Gesicht.

Abb. 7. Die Drahtziehmühle. Naturaufnahme in Wasserfarben. Im königl. Kupferstichkabinett zu Berlin.

Dürers Ehe blieb kinderlos. Dennoch hatte er bald für den Unterhalteiner größeren Familie zu sorgen. Im Jahre 1502 beschloß Dürers Vatersein Leben; er hatte dasselbe „mit großer Mühe und schwerer, harterArbeit zugebracht“. Mit schlichten, herzlichen Worten hat Dürer inseinen Aufzeichnungen das Andenken des Mannes geehrt, der ihn vonfrühester Kindheit an zu Frömmigkeit und Rechtschaffenheit erzogenhatte. Nach des Vaters Tode nun lag dem jungen Meister nicht nur fürdie zärtlich geliebte Mutter, die er zu sich nahm, sondern auch füreine Schar von jüngeren Geschwistern die Sorge ob. Dem Anschein nachwaren seine Vermögensverhältnisse eine Zeitlang keineswegs glänzend;durch seine unermüdliche Arbeitskraft aber und durch seine rastloseThätigkeit brachte er es nach und nach zu einer ganz ansehnlichenWohlhabenheit.

Bald nach der Verheiratung eröffnete Dürer eine selbständigeWerkstatt. Dazu bedurfte es weder eines Meisterstückes noch sonstigerFörmlichkeiten. Denn in Nürnberg galt, im Gegensatz zu den übrigenStädten Deutschlands, die Malerei als eine[S. 7] freie Kunst, die keinenzünftigen Ordnungen unterworfen war. Das kam auch der Stellung einesMalers, der in

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