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Der Bucheinband_ Seine Technik und seine Geschichte

Der Bucheinband_ Seine Technik und seine Geschichte
Category: Bookbinding / History
Author: Adam Paul
Title: Der Bucheinband_ Seine Technik und seine Geschichte
Release Date: 2018-04-28
Type book: Text
Copyright Status: Public domain in the USA.
Date added: 27 March 2019
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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1890 erschienenenBuchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben.Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert.Rechtschreibvarianten wurden nicht vereinheitlicht; ungewöhlicheund altertümliche Wortformen wurden nicht verändert, sofern dieVerständlichkeit des Textes dadurch nicht berührt wird.

Im Original wurden Umlaute in Großbuchstaben durchderen Umschreibungen dargestellt (Ae, Oe und Ue); in der vorliegendenFassung wurden dagegen die Umlaute direkt verwendet (Ä, Ö und Ü).Die Verwendung des ‚scharfen s‘ (ß) wurde nicht vereinheitlichtund entspricht auch nicht in allen Belangen den heutigenRechtschreibregeln.

Zwei verschiedene Abbildungen tragen im Originaljeweils die Bezeichnung ‚Fig. 39‘ sowie ‚Fig. 40‘. Um eine eindeutigeVerbindung zum Text zu gewährleisten, wurden die entsprechendenDubletten in ‚Fig. 39a‘ und ‚Fig. 40a‘ umbenannt. Im Namens- undSachregister wurde die alphabetische Reihenfolge einiger Listenpunktewiederhergestellt; Entsprechendes gilt auch für die korrekteReihenfolge der Illustrationen im Verzeichnis der Abbildungen.

Abhängig von der im jeweiligen Lesegerätinstallierten Schriftart können die im Original gesperrt gedrucktenPassagen gesperrt, in serifenloser Schrift, oder aber sowohl serifenlosals auch gesperrt erscheinen.

SEEMANNS KUNSTHANDBÜCHER

VI.

DER BUCHEINBAND

VON

PAUL ADAM.

Frontispiz

Dresdener Einband.
Aus Zimmermann’s Bucheinbänden der Königl. Bibliothek zu Dresden.
Verlag von E. Twietmeyer.

DER
BUCHEINBAND


SEINE TECHNIK UND SEINE GESCHICHTE

VON

PAUL ADAM

BUCHBINDERMEISTER IN DÜSSELDORF.


MIT 194 ILLUSTRATIONEN

LEIPZIG

VERLAG VON E. A. SEEMANN

1890.


Inhaltsverzeichnis.

 
Seite
Erster Abschnitt. Die Anfertigung des Buches bis zum Beschneiden
1. Einleitung
2. Das Rohmaterial und die erste Behandlung vor dem Heften
3. Weitere Behandlung vor dem Heften
4. Die Herstellung des Buchblockes
Zweiter Abschnitt. Der Buchschnitt und die weitere Bearbeitung bis zur äußeren Verzierung
1. Der Buchschnitt und seine Verzierung
2. Die Herstellung der Decke
3. Das Fertigmachen vor und nach dem Vergolden
Dritter Abschnitt. Das Verzieren der Einbanddecke
1. Die farblose Verzierung
2. Die Vergoldung und farbige Verzierung der Decke. Nachträgliches
Anhang. Die Wiederherstellung alter Einbände
Vorbemerkung
Erster Abschnitt. Der mittelalterliche Einband
1. Der kirchliche Prachtband (Mönchsband)
2. Der bürgerliche Einband mit blinder Lederpressung
Zweiter Abschnitt. Der Lederband mit Goldverzierung (Renaissanceband)
1. Der orientalische Einband
2. Die Corvinen
3. Der Renaissanceband in Italien und Frankreich
4. Der Renaissanceband in Deutschland und England

I.
DIE TECHNIK DER BUCHBINDEREI.

[3]

Randverzierung von einem egyptisch-arabischen Einbande.

ERSTER ABSCHNITT.
Die Anfertigung des Buches bis zum Beschneiden.

1. Einleitung.

Der Vorläufer unseres heutigen Bucheinbandes ist das im römischenAltertum und im Mittelalter gebräuchliche Diptychon. Dasselbebestand aus zwei mit Wachs überzogenen Schreibtafeln von Holz oderElfenbein, die mittels metallener Ringe oder Pergamentstreifenzusammengehalten wurden und auf der äußeren Seite mit Schnitzwerkreich verziert zu sein pflegten. Von der Zeit an, in welcher diePergamenthandschriften üblich wurden und größeren Umfang annahmen,heftete man jedoch ganz ähnlich wie in neuerer Zeit die Lagen mit Zwirnan Pergamentstreifen in der Weise, daß der Faden von innen durch denBruch der Lage gestochen, um den Pergamentstreifen herum und in dieinnere Seite zurückgeführt wurde.

So entstand der sogenannte Bund, wie er noch heute bei allenBänden üblich ist, die auf Bund geheftet sind.

Man wird kaum irren, wenn man annimmt, daß die Entstehung der heutigenBuchform mit dem Beginn des Christentums zusammenfällt, während vordemvorzugsweise die Papyrusrolle zur Herstellung von Handschriften diente.Die Lagen der Pergamentbogen wurden je nach der Zahl der ineinandergesteckten Doppelblätter als Ternen, Quaternen, Quinternen undSexternen bezeichnet. Die Vierzahl wird indeß die üblichste gewesensein, denn späterhin wurde die Lage schlechtweg stets als Quaternebezeichnet, und der neufranzösische Ausdruck für Heft — cahier —(quayer im altfranzösischen) hat sich aus quaternus entwickelt.

[4]

Der heute bei den Fachleuten für Kalbspergament gebräuchliche AusdruckVelin, Vellum oder Velum ist die Bezeichnung für das lateinischemembranae, dessen Paulus in seinem Briefe von Timotheus (II) erwähnt(τὰς μεμβράνας).

Die für besonders wertvoll erachtete Handschriften üblicheElfenbeindecke, deren Ursprung auf die Diptycha des Altertumszurückzuführen ist, wurde im Laufe der Zeit durch Holzplatten ersetzt,die man indeß auch durch reiche Verzierung mit Metall, Edelsteinen u.s. w. zum Kunstwerk zu gestalten suchte. Wir werden im zweiten Teiledieses Werkes auf die geschichtliche Entwickelung der Buchdecke desNäheren zurückkommen.

Um die auf Pergamentstreifen gehefteten Lagen besser zusammenzuhalten,bediente man sich eines breiten Stückes Leder, mit welchem derRücken und auch die beiden Holzdecken seitlich bis zur Hälfteoder einem Drittel überklebt zu werden pflegten. Die Bundriemen(Pergamentstreifen) wurden bei diesem Verfahren durch die Deckelgezogen. Eine handwerksmäßige Herstellung der Einbände kannte dasMittelalter nicht. Vielmehr war jeder Buchschreiber in den Klösternsein eigener Buchbinder, und nur bei kostbareren Bänden wurde die Hilfedes Goldschmiedes oder des Elfenbeinschnitzers in Anspruch genommen.

Fig. 1. Weicher Einband mit Überschlag. 14. Jahrh. u. früher.

Das Papier, das den Chinesen lange vor Christus bekannt war,brachten uns die Araber bei ihrer Ausbreitung über die Küsten desMittelmeeres im 8. und 9. Jahrhundert. Im Orient bildete es das einzigeSchreibmaterial, und alles, was von Werken orientalischer Literaturauf uns gekommen, ist auf diesen Stoff geschrieben. Zu der Zeit, daman bei uns noch lange auf Pergament schrieb, wurden im Orient schondie schönsten Miniaturmalereien auf einem Papier ausgeführt, das inBezug auf Festigkeit wie auf Glätte nichts zu wünschen übrig läßt. Mitder Einführung des Papieres kam auch das Beschneiden der rauhen Ränderauf und damit allgemach auch das Runden der Rücken, wodurch die äußereForm des Buches eine gefälligere wurde. Die gewöhnlichen Handschriftenin den Klosterbibliotheken hatten anfangs nur Pergamentumschläge, diezu beiden Seiten lang genug waren, um über einander geschlagen werdenzu können. Die hintere Seite lief dann meist in eine Spitze, eine Artdreieckiger Klappe aus, an welche wohl auch Bänder oder Riemchen genähtwaren, um das Ganze mehrmals umschlingen und zubinden zu können (Fig.1).

Den Übergang von diesen weichen Bänden, welche bis ins[5] 15.Jahrhundert hinein üblich waren, zu den späteren, mit seitlichüberstehenden Holzdeckeln versehenen, bezeichnet eine Art Schutzdecke,die noch in vielen Beispielen aus dem 15. Jahrhundert erhalten ist. DerBand ist auf Lederbünde geheftet, an denen vorher mit Leder eingefaßteDeckel befestigt sind. Der äußere Lederbezug ist jedoch nicht nachinnen eingeschlagen, sondern steht nach allen Richtungen soweit über,daß er die Bogenränder — Schnitt darf man wohl noch nicht sagen —völlig deckte. Zur besseren Befestigung ist er an den eingefaßtenKanten festgenäht (Fig. 2).

Fig. 2. Einband mit überstehendem Leder. 15. Jahrh.

Wir sehen also schon eine ganz merkliche Veränderung, während derleitende Gedanke — Schutz gegen eindringenden Staub — derselbe blieb.Bei dieser Gelegenheit sei auch des Buchbeutel gedacht. Ähnlichwie der eben erwähnte Band gestaltet, zeigt diese Einbandform nurdarin einen Unterschied, daß das überstehende Leder am Unterschnittesoweit verlängert ist, um am Ende zusammengefaßt und in einen Knotenverschlungen werden zu können; dieser Knoten trug einen Metallring zumAnhängen an den Leibgurt.

Fig. 3. Buchbeutel. Düsseldorfer Museum.

Wir kennen eine ganze Reihe von bildlichen Darstellungen desBuchbeutels auf Gemälden, Miniaturen, an Holzschnitzereien etc., dochsind in Wirklichkeit nur fünf Buchbeutel bis jetzt bekannt, von denender schönste in[6] Nürnberg (Anzeiger d. Germ. Mus. 1862, Spalte 324)die anderen in München, Nürnberg, Frankfurt a/M. (v. Bethmann) und inDüsseldorf sich befinden.

In der Folge fiel dies überstehende Leder weg; es wird glatt umdie Kanten her geschlagen, ja es ist wohl möglich, daß man vonden Buchbeuteln selbst das Überstehende abschnitt, sofern keineVeranlassung mehr vorlag, das Buch als fahrende Habe mit sich zuführen. Damit sind wir denn bis zu der Form des Einbandes gekommen, dieim großen ganzen noch heute im Gebrauch ist.

Aufhängen planierter Bogen. (Zu Seite 10.)

[7]

Von einem arabischen Einbande.

2. DasRohmaterial und erste Behandlung vor dem Heften.

Älteste Einrichtung der Lagen. — Aufthun. — Aus dem Falz schlagen. —Planieren. — Flicken. — Falzen. — Karton. — Kleben. — Einpressen.

Zu der Zeit, wo die Herstellung der Handschriften hauptsächlich inKlöstern von schreibkundigen Mönchen, die nicht selten auch Künstlerwaren und die Schrift mit buntem Zierat, Initialen und Miniaturenversahen, betrieben wurde, blieb auch die Sorge für den Schutz derHandschrift durch eine Umhüllung dem handwerklichen Geschick derKlosterbrüder vorbehalten.

Der handwerksmäßige Betrieb der Buchbinderei begann naturgemäß erstmit der Erfindung des Buchdruckes. Die gedruckten Bogen kamen, wie esnoch heute der Fall ist, roh

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