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Das deutsche Wunder_ Roman

Das deutsche Wunder_ Roman
Category: Fiction
Title: Das deutsche Wunder_ Roman
Release Date: 2018-08-29
Type book: Text
Copyright Status: Public domain in the USA.
Date added: 27 March 2019
Count views: 105
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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1916 erschienenenBuchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben.Ungewöhnliche, altertümliche und regional gefärbte Ausdrückewurden nicht korrigiert; fremdsprachliche Zitate und Ausdrückewurden unverändert übernommen – insbesondere wenn diese in ihrer‚eingedeutschten‘ Form verwendet wurden –, sofern die Verständlichkeitdadurch nicht beeinträchtigt wird.

Im Original wird als Vergleich zum russischen(kyrillischen) ‚N‘ der lateinische Buchstabe ‚I‘ bzw. ‚J‘ herangezogen,was faktisch nicht korrekt ist. Tatsächlich entspricht der lateinischeGroßbuchstabe ‚H‘ dem Aussehen nach dem kyrillischen ‚N‘ (Н). DiePassage auf S. 335 (vor dem Satz ‚InWirklichkeit war es ein russisches „N“, ...‘) wurde dahingehendabgeändert.

Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Bearbeiter erstellt.

Abhängig von der im jeweiligen Lesegerätinstallierten Schriftart können die im Original gesperrt gedrucktenPassagen gesperrt, in serifenloser Schrift, oder aber sowohl serifenlosals auch gesperrt erscheinen.

Das deutsche Wunder

Roman

von

Rudolph Stratz

26. bis 35. Tausend

1916

Verlag Ullstein & Co, Berlin und Wien

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten.
Amerikanisches Copyright 1916 by Ullstein & Co, Berlin.


Inhaltsverzeichnis.

 
Seite
Vorwort
7
I
13
II
41
III
74
IV
86
V
112
VI
125
VII
155
VIII
171
IX
207
X
246
XI
285
XII
300
XIII
338
XIV
368
XV
402
XVI
426

[S. 7]

Vorwort.

Darf der Dichter die Gegenwart schildern? Das, was erst anderthalb oderzwei Jahre hinter uns liegt und noch bis in die Zeit des großen Kriegshineinreicht?

Oder soll man dem Ruf der Kunstrichter trauen: Nein! Die Zeit ist nochzu nah. Zu groß. Ihr habt zu schweigen.

Geschwiegen haben wir Alle bisher von selbst! Vom Tage desKriegsausbruchs ab hat wohl Jeder die Feder aus der Hand gelegt.Manche Schriftsteller kämpften im Felde. Anderen war es vergönnt, alsJohanniter, Krankenpfleger, Automobilisten, Kriegsberichterstatter,überhaupt eben als zeitweilig zur Front zugelassen, in West und Ost dasungeheure Schauspiel des ungeheuersten Kriegs aller Völker und Zeitenin sich aufzunehmen. Zu den Letzteren gehörte auch ich.

Und daheim sah Jeder von uns das zweite, nicht minder riesige Bild:die zweite deutsche Front, die Front der Frauen und der Gelehrten, derArbeiter und der Sparer.

Und draußen sehen wir den Feind: die schamloseste Lüge derWeltgeschichte, die England, den schamlosesten Verrat derWeltgeschichte, der Italien, die schamloseste[S. 8] Mordbrennerei, dieRußland, die satanische Wut, die Frankreich heißt. Wir sehen denDeutschen vogelfrei fast auf dem ganzen Erdball, wir hörten vondem Massenhungertod, der an dem größten Kulturvolk der Welt dasSchlächterwerk des Senegalnegers vollenden sollte. Uns würgte derEkel an der Menschheit, von dem nur der Gedanke an Deutschland uns inheiligem Grimm befreite.

Und von alledem sollen wir schweigen?

„Oh nein!“ sagt der kritische Germanist. „Nur laßt Euch Zeit! Distanz!Distanz! In fünf Jahren — oder in zehn — oder in dreißig — jenachdem — da wird der Abstand von den Dingen und Leidenschaften großgenug sein, um ein gereiftes Kunstwerk zu schaffen!“

Ja, zum Donnerwetter, ist denn Abgeklärtheit allein der Zweck derKunst? Des Hasses Kraft, die Macht der Liebe nichts? Das, was wir jetztAlle mit allen Fibern unserer Seele im Brausen der Völkerdämmerung undWeltenwende in uns erleben, was draußen mit tausend feurigen Zungenauf den Schlachtfeldern redet und daheim von tausend Kirchturmglockenläutet? Das, woran Jeder denkt, wofür Jeder atmet, wovon Jeder spricht:Nur der Dichter nicht?

Aber nehmen wir an: der Kunstrichter hätte Recht: Was sollen wir nun indieser Zwischenzeit bis zum richtigen literarischen Abstand tun?

„Inzwischen? Mein Gott — sehr einfach: Wählt Eure Stoffe aus der Zeitvor dem Krieg wie bisher!“

[S. 9]

Die Zeit vor dem Krieg? Wann war das eigentlich? Man reibt sich dieAugen: Es kommt Einem wie ein Jahrhundert vor. Es ist eigentlichgleich, wie lange es her war. Es ist ja Alles so anders geworden. Soneu. So gewaltig. Die Menschen jenseits des deutschen Jungbrunnens vom4. August — das sind nicht mehr wir! Wir sind weit über sie hinaus...

Mit anderen Worten: Wer die Zeit bis vor dem Jahr 1914 beschreibt,der schreibt einen historischen Roman. Historische Romane sind nichtJedermanns Sache, zumal jetzt, wo vor Aller Augen die Historie selbermit Donnerschritt über die Erde geht.

Also kommen wir wieder auf die Gegenwart zurück! In scheuer undzögernder Ehrfurcht steht der Schriftsteller vor dem jedes Menschenmaßdes Auges und Geistes übersteigenden Rundbild des flammenden Erdballsund sagt sich, wenn er versuchen will, ein Stück auf’s Bild zu bannen,von vornherein:

„Das Unzulängliche, hier wird’s Ereignis!“

Ja gewiß: Unzulänglich, Stückwerk wird Alles sein, was der, der Zeitund Krieg sehend miterlebte, jetzt schon gestalten kann. Er kannnichts tun, als eben aus sich heraus sein Bestes zu geben. Er mußversuchen, aus seinem Wesen, seiner Weltanschauung, seinen Eindrückenden Beobachtungswinkel zu gewinnen, wo sich ihm, durch einen Strahl vonoben, die Welt draußen so deutlich widerspiegelt wie die feindlicheStellung im Scheren-Fernrohr.

[S. 10]

Die feindliche Stellung — das ist es, von der ich ausgehen möchte. Ichmeine damit nicht den Krieg selbst. Von ihm und seinen Einzelheitendarf jetzt aus naheliegenden Gründen noch nicht viel gesagtwerden. Und ist es späterhin militärisch möglich, so bleibt es einselbstverständliches Vorrecht derer, die ihn kämpfend miterlebten. Soliegt über meinem hier folgenden Werk der Krieg mehr als Stimmung dennals Geschehnis.

Aber ein Anderes glaubte ich, jetzt schon schildern zu dürfen. Geradejetzt. Das, was vor uns Allen noch, inmitten aller Siege, als einunheimliches Rätsel steht: Wie kam es, daß auf einmal gegen uns derHaß eines Irrenhauses über die ganze Erde aufflackerte? Wie kames, daß hysterische Lüge die Druckerschwärze der fünf Weltteile inschwarzen Eiter verwandelte? Daß russische Große ihre Ehrenwörtergegen uns wie Zahnstocher zerknickten? Daß ein Bandit nackt, mit demDolch in der Faust, hervortrat und sich mit pathologischem Grinsen alsder Verbündete jenseits der Alpen vorstellte? Daß Japanese und Bureinträchtig wie ein paar Schlächterhunde Deutschland an die Gurgelsprangen? Daß die schwarze, weiße, braune und gelbe Menschheit sichvor unsern Augen wie berauscht in einem Kotmeer von Eidbruch, Verrat,Niedertracht und Blutdurst wälzte?

Zu unsern Feinden will ich den Leser führen, ihre Pläne belauschen,ihren Zusammenkünften beiwohnen, bei denen überall wie Bankos Geist derSchatten Eduards VII.[S. 11] unter den Verschwörern sitzt. Aus seinem Geist,aus der Geistesverfassung — oder Geistesverwirrung — unserer Gegnerallein läßt sich der Ursprung und rächende Verlauf des Weltkriegserklären. Den wir nicht wollten. In dem wir siegen. Den unsereFeinde bereuen werden. Dessen sich — uns und unsere Bundesgenossenausgenommen — die Menschheit noch nach Jahrhunderten schämen wird.

Unsere Feinde! Ich glaube, sie, nach dem Lauf meines Lebens, besserzu kennen als Andere. Ich kenne Rußland vom Eismeer bis zur Krim.Ich kenne Frankreich aus mannigfachen Beziehungen. Ich kenne ebensoEngland. Ich habe mit immer wachsender Sorge in dem letzten Jahrzehntin London und Paris, in Belgrad und Moskau, in Brüssel und Rom, inKairo und Cettinje die Unterwelt gegen unser arbeit- und festfrohesDeutschland emporsteigen sehen.

Ein garstig Lied — pfui — ein politisch Lied!

Ja, schön im alten Sinn friedlicher Gesittung ist die Weltaugenblicklich nicht. Daran sind wir Deutsche nicht schuld. Und dochist sie schön, hinreißend schön, denn sie ist groß!

Groß wie noch nie! Und Größe tat uns in Deutschland not. Größe!Größe! Wir haben seit Jahren nach Größe gelechzt, ohne es zuwissen. Nicht nach Größe des Kriegs, aber nach Größe der Menschenund Dinge, in unserem innerpolitischen Kleinkampf, in unsererliebevoll alles Kranke und Schwache hätschelnden Kunst, in unseremuns selbst schon unbehaglichen Interesse für alle gleich[S. 12]giltigenEntartungserscheinungen des Auslands. Deutschland braucht zu seinerGesundheit Helden. Sie sind das Eisen in seinem Blut. Nun hat esHelden! Hat, über sie alle hinaus, einen einzigen Helden: sich selbst!Das erste und hehrste und älteste Vorrecht des Dichters ist es, denHelden zu besingen. So sei es mir vergönnt, so gut ich es eben vermag,von Deutschland zu sagen und wie es, als ein Wunder vor sich selbstund mehr noch vor seinen Feinden im Kampf gegen die Menschheit derMenschheit Würde wahrte.

Gott will den Krieg!“ sagte der russische Generalmajor Schiraj mitseiner tiefen Stimme.

Sein Nachbar verstand ihn nicht. Es war zu viel Dröhnen um ihn. AlleGlocken von Moskau läuteten, während der Zar an

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