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Franz Hals

Franz Hals
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Title: Franz Hals
Release Date: 2018-11-27
Type book: Text
Copyright Status: Public domain in the USA.
Date added: 27 March 2019
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Liebhaber-Ausgaben

Künstler-Monographien

In Verbindung mit Andern herausgegeben

von

H. Knackfuß


XII

Franz Hals


Bielefeld und Leipzig
Verlag von Velhagen & Klasing
1896


Franz Hals

Von

H. Knackfuß


Mit 40 Abbildungen von Gemälden

Bielefeld und Leipzig
Verlag von Velhagen & Klasing
1896

Von diesem Werke ist für Liebhaber und Freunde besonders luxuriösausgestatteter Bücher außer der vorliegenden Ausgabe

eine numerierte Ausgabe

veranstaltet, von der nur 100 Exemplare auf Extra-Kunstdruckpapiergedruckt sind. Jedes Exemplar ist in der Presse sorgfältig numeriert(von 1–100) und in einen reichen Ganzlederband gebunden. Der Preiseines solchen Exemplars beträgt 20 M. Ein Nachdruck dieser Ausgabe, aufwelche jede Buchhandlung Bestellungen annimmt, wird nicht veranstaltet.

Die Verlagshandlung.

Druck von Velhagen & Klasing in Bielefeld.


[S. 1]

Franz Hals.

Nachdem in dem langen Kampf der Niederlande gegen die spanischeHerrschaft sich die Trennung der nördlichen Provinzen von den südlichenvollzogen hatte, trat die nordniederländische oder holländischeKunst in ganz andere Bahnen, als diejenigen waren, in denen diebelgische Kunst sich weiter bewegte. Am augenfälligsten zeigt sichdies in der Malerei, die ja in den Niederlanden schon seit langerZeit die meistbegünstigte und volkstümlichste Kunst war. Währendin den südlichen Provinzen, die unter der Oberhoheit Spaniens undbeim katholischen Glauben blieben, die überlieferte und von deritalienischen Kunstweise beeinflußte Geschichts- und Heiligenmalereiin voller Geltung verblieb und durch die gewaltige Künstlerkrafteines Rubens zu ungewöhnlich glänzenden Erscheinungen geführt wurde,konnte in dem jungen protestantischen Freistaat, der den Bruch mitden staatlichen und kirchlichen Überlieferungen der Vergangenheitsiegreich durchgeführt hatte, die Kunst kein Gefallen mehr finden andem herkömmlichen, hier ganz unzeitgemäß gewordenen Stoffgebiet. Eswar sozusagen eine naturgesetzliche Notwendigkeit, daß hier die Kunstihre volle Kraft der Gegenwart zuwendete, bei einem gleichsam neuerstandenen Volke, das mit vollberechtigtem Selbstbewußtsein auf dieglücklich erkämpfte und behauptete Freiheit und auf eine großartige,stetig wachsende Zunahme an Macht und Ansehen blickte. Für dieholländischen Maler bildeten somit Erscheinungen des Lebens, das sie inWirklichkeit umgab, das von selbst sich erschließende Stoffgebiet.

Wenn die Kunst es sich zur Aufgabe macht, dasjenige, was in derWirklichkeit vorhanden ist, um seiner selbst willen darzustellen,so ist es nur ein folgerichtiger Schritt, daß sie dazu gelangt, dasin der Wirklichkeit Vorhandene auch gerade so wiederzugeben, wie essich in Wirklichkeit zeigt. Die Kunst wird also im eigentlichen Sinne„realistisch.“ Die Erscheinung des künstlerischen „Realismus“ konnte inder holländischen Malerei um so voller zur Geltung kommen, als schonseit dem ersten aufsehenerregenden Aufblühen der niederländischenKunst ein ausgeprägter realistischer Zug in derselben lebte. Beruhtdoch die erhabene Größe der Brüder van Eyck zum großen Teil auf derliebevollen Treue, mit welcher sie die Erscheinungen der Wirklichkeitbeobachtet und wiedergegeben haben. Auch während der Zeit, wodie Nachahmung der Italiener die Kunst beherrschte, ging[S. 2] dieseangestammte Neigung zu unbedingter Naturtreue nicht unter; vielmehrläßt sich ihr Vorhandensein beständig in mancherlei Werken wahrnehmen.Insbesondere behauptete sich die gewissenhafte künstlerischeWahrheitsliebe auf einem Gebiete, auf dem ihre vollste Berechtigungunanfechtbar ist: auf demjenigen der Bildnismalerei. Gerade dienordniederländischen Maler haben in der lebenswahren Darstellung vonbestimmten Persönlichkeiten während des ganzen XVI. Jahrhunderts sehrbedeutende Erfolge erzielt. Der Gefahr, in Nüchternheit zu verfallen,wirkte dabei der den Niederländern gleichfalls von alters her eigeneSinn für die Poesie der Farbe, durch die sich jegliches Ding überdie alltägliche Gewöhnlichkeit hinausheben läßt, entgegen. — Sowar der Weg vorbereitet, auf dem die holländische Malerei zu ihrereigenartigen Größe gelangen sollte, als die Friedenszeit, welche demWaffenstillstandsabschluß von 1609 folgte, ihr Gelegenheit zu freierund reicher Entfaltung gab.

Abb. 1. Franz Hals. Bildnis des Meisters im Rathaus-Museum zu Haarlem.
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)

Abb. 2. Festmahl der Offiziere von den St. Georgs-Schützen (1616). Im Rathaus-Museum zu Haarlem.
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)


GRÖSSERES BILD

Abb. 3. Lustige Gesellschaft. Alte Kopie eines jetzt in Nordamerika befindlichen Halsschen Gemäldes von 1616,
im Königlichen Museum zu Berlin.
(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)


GRÖSSERES BILD

Abb. 4. Bildnis eines vornehmen Herrn. In der Königlichen Galerie zu Kassel.
(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)

Die Bildnisse von Zeitgenossen festzuhalten, wurde die erste undwichtigste Aufgabe der holländischen Malerei. Das[S. 6] Bewußtsein, ander Schaffung des neuen Staatswesens mitgewirkt zu haben, verliehsozusagen jedem Bürger desselben einen höheren Wert, und es istbegreiflich, daß gar viele darauf bedacht waren, ihr Bild denNachkommen zu überliefern, sei es in einem Einzelporträt, sei es ineinem Gruppenbild, als Mitglied eines Vereins, innerhalb dessen sieihre Thätigkeit entfaltet hatten. Schon in früherer Zeit hatte man inden nördlichen Niederlanden eine Vorliebe für Gruppenbilder gehabt;namentlich die Schützengilden, aus denen sich die Bürgerwehr derStädte zusammensetzte, hatten die Ausbildung dieses besonderen Zweigesder Porträtmalerei gefördert. Jetzt trat diese Kunstgattung an dievornehmste Stelle; sie nahm in der holländischen Malerei denjenigenRang ein, den anderswo die große Geschichtsmalerei behauptete.„Regentenstücke“ und „Dulenstücke“ sind die Namen, mit denen manBilder solcher Art bezeichnete und auch jetzt noch zu bezeichnenpflegt; „Regenten“ wurden die Vorstandsmitglieder von Vereinen und[S. 7]Gesellschaften jeglicher Art genannt, und „Doelen“ (ausgesprochenDulen) hießen die Schützenhäuser.

In Regenten- und Dulenstücken hat auch der größte Meister derholländischen Bildnismalerei, Franz Hals, in den verschiedenenAbschnitten seines Lebens die Höhe seiner Kunst gezeigt.

Abb. 5. Bildnis einer vornehmen Frau. In der Königlichen Galerie zu Kassel.
(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)

Franz Hals war ausschließlich Bildnismaler. Es lag im Wesen einer aufsorgfältig getreue Wiedergabe der wirklichen Erscheinungen gerichtetenKunst begründet, daß sie sich im Laufe der Zeit mit mehr oderweniger scharfer Begrenzung in einzelne Fächer spaltete, je nachdemdie einzelnen Künstler für diese oder jene Gattung der natürlichenErscheinungen eine besondere Vorliebe besaßen. Die Porträtmalerei,das sogenannte Genre, die Landschaft, die Tiermalerei fingen an, sichvoneinander zu scheiden. So hat auch Franz Hals sich nie auf einemanderen Kunstgebiet versucht, als auf demjenigen, welches die sprechendnaturwahre Wiedergabe des besonderen Charakters und des ständigen oderflüchtigen Aus[S. 10]drucks bestimmter Persönlichkeiten zum Gegenstandder künstlerischen Darstellung machte. Hierin aber hat er alle seineVorgänger, seine Mitstrebenden und seine Nachfolger in Holland, welchedas nämliche Gebiet betreten haben, übertroffen — den großen Rembrandtnicht ausgenommen, dessen hohe künstlerische Bedeutung anderswo lagund der ja überhaupt nicht zu den Realisten der Malerei gezählt werdenkann, da er alles, was er malte, mit einem nicht in der Wirklichkeitvorhandenen, sondern nur von ihm selbst erschauten Lichtzauberdichterisch verklärte.

Abb. 6. Bildnis des Jacob Pieterß Olycan, von 1625.
In der Königlichen Gemäldesammlung im Haag.


GRÖSSERES BILD

Abb. 7. Bildnis der Aletta Hanemans, Gemahlin von Jacob Pieterß Olycan, von 1625.
In der Königlichen Gemäldesammlung im Haag.


GRÖSSERES BILD

Franz Hals stammte aus einer alten angesehenen Haarlemer Familie. SeineGeburtsstadt aber ist Antwerpen, wohin sich seine Eltern im Jahre1579 begeben hatten. Wann er geboren wurde, steht nicht fest; dieÜberlieferung nennt das Jahr 1584. Auch darüber fehlt die Kunde, wielange der Aufenthalt der Familie in Antwerpen dauerte, und wann FranzHals nach Haarlem kam, wo er während der ganzen Zeit seiner Thätigkeitverweilt hat. Überhaupt sind die urkundlichen Nachrichten über ihndürftig, ungeachtet der emsigen Bemühung, mit welcher verdienstvolleholländische Kunstforscher in den letzten Jahrzehnten nach solchengesucht haben. Es ist eine Aufzeichnung entdeckt worden von der Handeines Malers Mathias Scheits aus Hamburg, welcher Franz Hals persönlichgekannt hat. Derselbe erzählt dessen Leben mit den wenigen Worten: „Dertreffliche Bildnismaler Franz Hals von Haarlem hat gelernt bei Karlvan Mander aus Meulenbecke. Er ist in seiner Jugend etwas lustig vonLeben gewesen; als er alt war und mit seinem Malen (welches jetzt nichtmehr so war wie früher) nicht mehr die Kost verdienen konnte, hat ereinige Jahre, bis daß er starb, von der hohen Obrigkeit von Haarlem eingewisses Geld zu seinem Unterhalt gehabt, um der Tüchtigkeit seinerKunst willen. Er ist um das Jahr 1665 oder 66 gestorben und nach meinerSchätzung wohl 90 Jahre oder nicht viel weniger alt geworden.“

Der als Lehrer des Franz Hals genannte Karl van Mander (geboren 1548)war ein Anhänger der italienischen Richtung. Er hatte in seiner Jugendin Rom studiert, hatte sich dann zuerst in Brügge und darauf in Haarlemniedergelassen und siedelte zuletzt nach Amsterdam über, wo er im Jahre1606 starb. Sein Name ist der Nachwelt weniger durch seine Gemälde, alsdurch seine schriftstellerische Thätigkeit im Gedächtnis geblieben.Er hat nämlich ein „Schilderboek“ (Malerbuch) verfaßt, worin erKünstlergeschichte erzählt.

Da Karl van Mander Haarlem im Jahre 1602 verließ, so muß die Ausbildungdes Franz Hals um diese Zeit vollendet gewesen sein. Aber die erstensicheren Werke von seiner Hand, welche sich erhalten haben, stammen auserheblich späterer Zeit.

Die erste urkundliche Nachricht über Franz Hals ist von 1611.Dieselbe meldet, daß derselbe in diesem Jahre in Haarlem einen Sohntaufen ließ, welchen ihm seine Ehefrau Anna Hermanß geschenkt hatte.Die nächstfolgende Kunde besagt, daß Franz Hals im Februar 1616vor die städtische Obrigkeit geladen wurde, um wegen Mißhandlungenseiner Ehefrau eine amtliche Rüge zu bekommen, und daß er bei dieserGelegenheit geloben mußte, sich fernerhin der Trunkenheit und ähnlicherAusschweifungen zu enthalten. Diese Nachricht berührt um so peinlicher,als man[S. 11] weiter erfährt, daß die arme Frau ganz kurze Zeit daraufstarb. Ehe noch ein Jahr abgelaufen war, verheiratete er sich zumzweitenmal, mit Lisbeth Reyniers, die ihm schon in der zweiten Wocheihrer Ehe ein Kind gebar. Wenn wir hiernach keine gute Meinung von demMenschen Franz Hals und von seinem „etwas lustigen“ Leben bekommen, soerhalten wir eine um so höhere Meinung von seiner Meisterschaft alsMaler im Anblick seines ersten beglaubigten Gemäldes, das eben jenemJahre 1616 angehört.

Abb. 8. Die singenden Knaben. In der Königlichen Galerie zu Kassel.
(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)

Abb. 9. Ein singender Knabe. Im Königlichen Museum zu Berlin.

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