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Geschichte der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburg's

Geschichte der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburg's
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Title: Geschichte der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburg's
Release Date: 2019-03-17
Type book: Text
Copyright Status: Public domain in the USA.
Date added: 27 March 2019
Count views: 31
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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1860 erschienenenBuchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben.Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnlicheund altertümliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Originalunverändert; fremdsprachliche Zitate wurden nicht korrigiert.

Die Abkürzung für ‚et cetera‘ mit tironischer Note für‚et‘ wurde hier als ‚etc.‘ dargestellt. Umlaute in Großbuchstaben(Ä, Ö, Ü) wurden in der gedruckten Fassung als ihre Umschreibungendargestellt (Ae, Oe, Ue); dies wurde so beibehalten.

Fußnoten wurden an das Ende des Texts verschoben; die‚Liste der Subscribenten‘ wurde der Übersichtlichkeit halber vomBearbeiter an das Ende des Buches gestellt. Wie im Original, werdenim laufenden Text, aber nicht in den Fußnoten, die Anmerkungen desHerausgebers in Klammern mit einer kleineren Schriftgröße versehen.

Die in der Buchversion in Antiquaschrift gedrucktenPassagen werden hier kursiv wiedergegeben.Abhängig von der im jeweiligen Lesegerätinstallierten Schriftart können die im Original gesperrt gedrucktenPassagen gesperrt, in serifenloser Schrift, oder aber sowohl serifenlosals auch gesperrt erscheinen.

Geschichte
der
Belagerung, Eroberung und Zerstörung
Magdeburg’s

Otto von Guericke,

Churfürstlich-Brandenburgischem Rath undBürgermeister besagter Stadt.


Aus der Handschrift zum Erstenmale veröffentlicht

Friedrich Wilhelm Hoffmann,

Verfasser der „Geschichte der Stadt Magdeburg.“

Magdeburg, 1860.

Emil Baensch, Hof-Buchhändler Sr. Majestät desKönigs.


[S. 1]

Vorbemerkung.

Das hier zum Erstenmale der Oeffentlichkeit übergebene Manuscriptunserer Stadtbibliothek — eine von der Hand seines Schreibersgefertigte, aber sorgfältig von ihm selbst verbesserte Reinschrift —bildet eigentlich den dritten Theil der von Otto von Guerickehinterlassenen Geschichte der Stadt Magdeburg. Von dem Autographon desVerfassers existiren noch die ersten sechs Bogen, welche manches inder Copie Weggebliebene enthalten, das, so weit es für den Leser vonInteresse, in dem gegenwärtigen Abdrucke unter dem Texte gegeben und,zum Unterschiede von den Anmerkungen, welche ich hinzugefügt, mit demBuchstaben G bezeichnet ist.

Der erste Theil des Guerickeschen Geschichtswerkes war keineeigene Arbeit des berühmten Mannes, sondern es bildete denselbenein von ihm mit Anmerkungen und Zusätzen bereichertes Exemplar dermagdeburgischen Chronik des vormaligen hiesigen Predigers Joh. Pomarius(Baumgarten).[*] Der verstorbene Superintendent Rathmann zu Pechau hatdenselben noch in Händen gehabt und für seine Geschichte der StadtMagdeburg benutzt; er ist aber seitdem spurlos verschwunden. Der zweiteTheil — den Zeitraum von 1585 bis 1630 umfassend und, ohne Zweifel,ganz aus Guericke’s Feder geflossen — befand sich schon damalsnicht mehr in der Stadt-Bibliothek und muß also schon früher, wo nochkeine so sorgsamen Augen, als jetzt, über die der letzteren angehörigenliterarischen Schätze gewacht haben, verloren gegangen sein.

[S. 2]

Hinsichtlich des hier gegebenen Abdrucks der Handschrift habe ich nurzu bemerken, daß bei demselben, da er für einen größeren Leserkreisbestimmt ist, dem mit einer diplomatisch genauen Beibehaltung deralten Orthographie wenig gedient sein möchte, die jetzt üblicheWortschreibung gewählt, auch hier und da bei einem ganz außer Gebrauchgekommenen und heutigen Tages völlig unverständlichen Worte ein,denselben Begriff bezeichnendes, neues in Klammern daneben gesetztist. Was den Styl anbelangt, so habe ich mir keine Aenderung, keineUmschmelzung der zum Theil übermäßig langen und schleppenden Periodenerlaubt; das Werk würde, bei einer gefälligeren Einkleidung desStoffes, ja nur noch ein dem Inhalte nach dem Otto von Guerickeangehörendes geblieben sein. Als völlig unnütz aber, weil sie ja dochnicht nachgeschlagen werden können, sind alle Hinweisungen auf diebeiden ersten Theile des Werkes weggeblieben. Alles im Texte von zweiGedankenstrichen Eingeschlossene gehört dem Verfasser an.

Dem Leser am Schlusse dieser Vorbemerkung noch ein Wort zur Empfehlungdes kleinen Buches, welches ich hiermit in seine Hände lege, sagenzu wollen, halte ich für durchaus überflüssig. Guericke warAugenzeuge der Ereignisse, welche er schildert; er war vermögeseiner amtlichen Stellung, als Rathmann und Bauherr der Stadt, sehrgenau davon unterrichtet und überdies ein Mann von so anerkannterEhrenhaftigkeit, daß wohl nicht im entferntesten von irgend einerabsichtlichen Entstellung der Wahrheit in seiner Erzählung die Redesein kann.

H.

Fußnote:

[*] Summarischer Begriff der Magdeburgischen Stadt-Chroniken.Magdeburg, 1587, 4.

Als durch Gottes unerforschlichen Rath und Verhängniß eine geraume Zeither im heiligen römischen Reiche viel innerliche, schwere und blutigeKriege entstanden, dazu (an denen) auch ausländische Potentaten miteingetreten (Theil genommen), und dadurch viele Dörfer, Flecken,Städte und Länder über alle Maße jämmerlich verderbt und verwüstetworden, wie nicht allein aller Welt bewußt, sondern auch noch dieseStunde — Gott erbarme sich’s! — männiglich vor Augen schwebet.

Demnach, und weil auch mit dem Könige von Dänemark durch göttlicheVerleihung Frieden geschlossen[1] gewesen, haben, wegen solcherimmer continuirenden Kriegspressuren, Einquartierungen, Durchzüge,Contributionen und anderen Drangsale, insonderheit aber (wegen)des im Jahre Christi 1629 ausgelassenen kaiserlichen Edicts, dieRestitution der geistlichen, nach dem passauischen Vertrage denKatholischen entzogenen, Güter betreffend, die evangelischenund protestirenden Stände des Reiches am kaiserlichen Hofe vielBeschwerden, Protestationen und Klagen geführt, also daß auch theilshohen, theils niederen Standes Personen — weil sie eine allgemeineReformation und Wiedereinführung der römisch-katholischen Religionbefürchtet — sich solcher Execution ermeldeten Edictes und andererKriegesbeschwerden durch Gewalt in der Zeit zu entbinden und derkaiserlichen und ligistischen Soldatesque mit gewehrter Hand zuwiderstehen für das Beste und Rathsamste erachtet. Jedoch weil wegenso vielfältigen Klagens und anderer Ursachen die römisch kaiserlicheMajestät im Monat Februar des 1630 Jahres[S. 4] einen churfürstlichenConvent gegen den 5. Junius nach Regensburg beschrieben, ist derbedrängten Stände Hoffnung, daß allen Ungelegenheiten abhelfliche Maßegegeben werden sollte, bis dahin gerichtet und verschoben worden.

Unterdessen, und bei Währung solcher gedachten Kriegstroublen imdeutschen Reiche, sind in Anno 1629 nicht allein zwischenAlbrechten Herzogen zu Friedland, als damaligen kaiserlichenKriegsgeneral, und der weitberühmten Hansastadt Magdeburg schwereDifferentien und Feindseligkeiten entstanden, daß auch die Stadt hartdarauf bloquirt, mit 16 starken Schanzen becirkelt und viel Blutsvergossen worden, sondern es haben sich überdies sowohl unter denBürgern und Einwohnern dieser Stadt selbst allerhand Dissensiones undMißverständnisse ereignet, vornehmlich aber und indem ein Theil derrömisch-kaiserlichen und katholischen Liga Kriegesarmeen und deroBediente wegen der Kriegesdrangsale und zu besorgenden Reformationin der Religion ganz nicht dulden, noch ihnen trauen oder Willen undVorschub thun, sondern dieselben vielmehr vertreiben, sich dieserLast stracker Dinge benehmen, das Kriegsvolk aus dem Erzstifte hinwegschlagen, oder, zu dessen mehreren Behuf, sich mit andern evangelischenPotentaten und Ständen verbinden und das Werk conjunctim (mitvereinten Kräften) effectuiren wollen.[2]

Andern Theils (die übrigen) aber[3] so der Stadt, als einem geringenohnmächtigen Stande des Reichs, sich der mächtigen Kriegsarmee zuwidersetzen nicht rathen können, sondern vielmehr dem Exempel und(der) Neutralität der andern benachbarten Churfürsten und Städtefolgen wollen und also, Correspondenz mit der kaiserlichen Soldatesquezu erhalten, verwilligen thäten, daß die kaiserlichen Offiziere in derStadt werben, ein- und ausgehen und allerhand Nothdurft kaufen möchten,ingleichen, daß man ihnen vor Havelberg allerhand Vivres,Sal[S. 5]peter, Pulver verabfolgen und zuführen, auch in der Stadt GießhauseStücken Geschütz gießen lasse, und was dergleichen Vorschub mehr —auch der Summe Geldes von 133,000 Thalern, so die Bürgerei, wegenabgebrochener Vorstädte und Erkaufung weiteres Festungsrechtes, derkaiserlichen Armee gleichsam zum Vorschub bezahlet und abgetragen,anitzo zu geschweigen[4] — die sind bei den Andern in großen Haßund Verdacht, gleichsam als die das Papstthum befördern und von derevangelischen Religion abtrünnig werden wollten, angelassen undgehalten worden.[5]

[S. 6]

Solcher und anderer dergleichen Mißverständnisse halber der Rath zuverstatten und zu willigen keinen Umgang nehmen können, daß zur selbenZeit die Bürger aus jedem Viertel der Stadt eine Person, und alsoinsgesammt 18 Personen — so man Plenipotenzier genannt — dem Rathezugeordnet haben, als die da zugleich mit und um alle der Stadt Sachenwissen, der Bürgerschaft Beschwerden dem Rathe vortragen und also wegenganzer Gemeine nebst dem Rath bevollmächtigt sein und Plenipotenz habensollten, daß der Rath, Ausschuß und (die) Hundertmannen ohne derenWissenschaft und Vollwort (Zustimmung) nichts (be) schließen nocheffectuiren (ausführen) dürfen oder mögen.

Ob nun wohl — nach dem durch des Allerhöchsten gnädige Verleihungund der E. Hansastädte ansehnliche Interposition (Vermittelung)der oft vorgemeldete kaiserliche Kriegsgeneral die Bloquirung wiederfallen, Pässe und Straßen eröffnen und die um und um gemachten Schanzenund Reduiten (Redouten) demoliren und schleifen lassen — dieserPlenipotenzier Amt und Beruf allein und bis so lang dieselbe Bloquirungund Kriegslast währen möchte, angesehen gewesen: so hat jedoch nachmalsder Rath, sie zu cassiren und abzusetzen, vor dem gemeinen Mann sich’snicht unterstehen dürfen, sondern sie haben ihre Zusammenkünfte inder Weinschenke zur goldenen Krone[6] und andern Häusern fernergehalten, einen Doctorem juris vom Neuen[S. 7] Markte[7] sammtden Viertelsherrn und andern Bürgern mehr zu Rathe gezogen, auchendlich, etwa im November, an das hanseatische Directorium dessenfolgenden Inhalts geschrieben: „Denen E. Städten werde noch in guterGedächtnisse schweben, welchergestalt, seit der erlittenen Bloquirung,die Stadt Magdeburg nicht allein wegen der schweren Kriegesbürde,sondern auch der innerlichen Differenzien halber, gedrückt undbeschwert gewesen — wie auch solches der Rath zu Magdeburg selbstan die E. Städte damals geschrieben und sie, sothanen Beschwerdebeiderseits abzuhelfen, ersuchet und gebeten hätte — ob aber wohldem ersten Punkt, die Bloquirung betreffend, durch Gottes Verleihungabhelfliche Maße gegeben, so wäre doch der andere wegen der innerlichenDifferenzien bis zur andern Zeit verschoben worden. Nun sich aberdieselbe nicht stillen, sondern je mehr und mehr ereignen wollen, alsthäten die gedachten Plenipotenzier die E. Städte gebührend ersuchen,der Stadt Magdeburg, vermöge des hansischen Bundes, in solchem Fallbeizuspringen, sich wieder anher zu verfügen und ihren guten Rath zuinterponiren etc.“

Worauf dann die Abgesandten der Hansastädte im Mai[8] des folgenden1630. Jahres auf Befehl ihrer Obern zu Magdeburg wieder angelangtund in den Gasthof zum goldnen Arm[9] einlogirt sind, denen dann vonoftgedachten Plenipotentiariis, wie auch wohl von Theils (einemTheil) des Rathes selbst und andern Bürgern, nicht allein dieobberührten Mißhelligkeiten sattsam mögen entdeckt, sondern zugleichauch wegen des magdeburgischen Stadt-Regiments, folgender Bericht magsein gege[S. 8]ben worden. Daß nämlich um’s Jahr Christi 1330 und der Zeitgroßes Unglück und Zwiespalt unter dem Rath und (der) Bürgergemeinein dieser Stadt gewesen sei, darauf sie auch endlich im gedachten1330. Jahre das alte Regiment — welches damals von (aus) denSchöppen und Rathmannen und fünf Innungsmeistern bestanden — verändertund, anstatt solcher, andere und mehr Personen, so da aus diesennachfolgenden Gewerben und Handwerken, nämlich der Gewandschneider,Kramer, Kürschner, Bäcker und Brauer, Leinwandschneider, Gerber undSchuster, Knochenhauer von dem alten Scharn, Knochenhauer von dem neuenScharn, Wandmacher, Schmiede, Goldschmiede, Maler, Glaser und Sattler,Schneider, Grobschmiede und Gürtler waren, in den Rath gesetzet undverordnet hätten.[10] Weil aber hierdurch das Stadt-Regiment — dererdrei und jedes von 24 Personen gewesen, die ein Jahr nach dem andernumgewechselt haben — nicht allein sehr weitläufig, sondern auch diefreie Wahl der geschicklichsten und weisesten Personen aus ganzerBürgerschaft — indem man bei den obgemeldeten Innungs-Verwandtenbleiben und daraus die Köhre thun müssen — gänzlich entzogen undabgeschnitten worden, und überdies jede Innung für sich besondereSatzungen und Willköhre (Wahlgesetze), — oft wider des Raths Willenund zu gemeiner Stadt größtem Schaden — gemacht und verordnet gehabt.Diesem nach haben, zur Abhelfung solcher und anderer obberührtenBeschwerden, damit die gemeine Bürgerschaft besänftigt (werde) undnicht ein größerer Zwiespalt entstünde, die Herren Abgesandten derHansastädte, vermittels E. E. Raths Zuthun und Verwilligung, dieganze Bürgerschaft auf das Rathhaus erfordern und zusammen kommenlassen, um zu vernehmen, woraus eigentlich ihre Intention und Meinungbestände, da sich denn gefunden, daß der größte Haufe und sowohl dieInnungs-Verwandten selbst als andere Bürger, die kein Innungsrechtgehabt, dahin gezielet, daß ein neuer und engerer Rath solle erwähltund die Personen in demselbigen[S. 9] nicht eben aus den Innungen, sondernals sie am witzigsten und tüchtigsten in der Stadt gefunden würden, zurRathstelle gezogen und erkoren werden.

Ob nun bei theils Leuten die Affecten mit untergelaufen, daß sie etwaetlichen des alten Raths nicht wohl gewollt, aber anderer Gestalt dienicht aus dem Rathsstande bringen können, steht dahin; gleichwohlsind auch Viele gewesen, so allein der gemeinen Stadt Bestes daruntergesuchet und nur die Innungen und (die) daraus herfließende großeWeitläufigkeit beim Rathe abzuschaffen vermeinet haben, wie es dennauch endlich — zwar durch der Herren Abgesandten schweres undlangwieriges Bemühen — mit des damals regierenden Raths und der ganzenBürgerschaft Consens[11] und Willen auf Maß und Weise vermittelt,beliebt und verglichen worden, wie solches die darüber aufgerichtetenRecesse mit mehrerem besagen. Womit also der alte Rath und (die)Herren Gesandten das Regiment — so nach der alten Form eben 300Jahr gestanden — dem neuen Rathe überlassen haben.

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